QESHM ISLAND

So lautete unser Final Stop in Iran, bevor es mit dem letzten Schiff vor Weihnachten von Bandar Abbas aus in die Emirate ging. Qeshm ist offiziell Freihandelszone, die Iraner machen hier Shoppingferien und kaufen ihre alten Peugeots randvoll. Der ultimative Renner sind aktuell Küchengeräte namens „Bismark. Made in Germany“. Noch nie von gehört!

Für uns war aber die Landschaft die eigentliche Attraktion. Es ging kreuz und quer durch den Insel-Geopark und Gottseidank gab es hin und wieder Kamele! Wir hätten uns sonst auf dem Mond geglaubt. Wunderschön war’s und ein gelungener Abschluss unserer langen Iran-Tour. Jetzt geht’s auf zu neuen Ufern!

PANNE im ABSEITS 

Iran ist Mitte rechts im Grunde leer. Man sieht Berge und Wüste, spektakulär, aber sonst sieht man nichts. Fährt man via Tabas nach Kerman aber, zieren hin und wieder Palmen urplötzlich das Gelände. Oasen mitten im Nirgendwo, oft noch voller malerischer Lehmhäuser. Die einen sind bewohnt, blieben von Erdbeben und Sturzfluten also bislang verschont. Die anderen leiden schwer an ihrer vergänglichen Bausubstanz und sind verlassen. Wie finden die Leute in Oasen ihr auskommen? Mit Orangen, Datteln, Safran, Hühnern, Ziegen. Tourismus, es gibt „Eco-Lodges“, traditionelles Wohnen mit traditioneller Küche… Wir sind dafür nicht die Zielgruppe, so wie wir unterwegs sind. Das müssen wir einer Familie erst einmal verständlich machen, als wir bei Einbruch der Dunkelheit in der Oase Nayband ankommen. Sie klopften, brachten uns frische Orangen und Brot und luden uns ein, bei ihnen im Guesthouse zu wohnen. Wir lehnen dankend ab, aber warum nicht etwas anderes ausmachen? Am nächsten Tag treffen wir uns mit Ehsan und seiner Frau Elahe. Wir schauen uns zusammen das Dorf an, trinken Tee bei seinen Eltern und essen zu Mittag bei ihren Eltern. Man zeigt uns die warme Quelle des Dorfes, reines Trinkwasser, von dem man Badewasser abzweigt. Es gibt feste Nutzungszeiten für Männer und für Frauen und uns schiebt man einfach eine Stunde dazwischen.  Im Wasserbecken liegend mampfen wir Datteln und werden dabei mal wieder so richtig sauber, grins. Mit Ali, dem 4-ährigen Sohn fahren wir später ein bißchen Laster, der hat einen Riesenspaß, ist ganz verzückt vom Camion mit dem Moto hintendrauf, und bleibt gleich noch 2 Stunden länger als geplant bei uns. Was für ein Vertrauen uns die Eltern damit entgegenbringen! Während wir so mit ihm herumcruisen, treffen wir auf zwei Touristen im Mietwagen aus der Schweiz und Spanien, die eine Unterkunft suchen. Klar, wen wir ihnen empfehlen, und so sitzen wir abends alle gemeinsam bei Ehsan und Elahe und sind uns einig: Nayband als Oase der Erholung von anstrengender Tour ist geradezu ideal, mit solchen Gastgebern!

Das Ende vom Lied war für uns allerdings so ideal nicht, denn am Morgen ist Alarm kurz nach dem Start. Das Kombiinstrument im Amaturenbrett „schreit“ in roten Leuchtlettern „STOP!“, der Lasser ist ohne Druckluft. Nach 2 Stunden Herumschraubens ist klar, ohne Werkstatt kommen wir nicht mehr aus. Aber Iran ist Mitte rechts leer, wie gesagt, Kerman die einzige Stadt und Chance hunderte Kilometer entfernt. Wir müssen schauen, wie weit wir kommen …

OH, WIE SCHÖN IST GRIECHENLAND.

Wunderschön. Deshalb ist jetzt hier Urlaub angesagt. Und gleich im Vorwärtsgang die Antwort an alle, die sich vielleicht fragen: „Und was bitte war das, was die da vorher monatelang gemacht haben?“ REISEN war das! Wir können es nicht oft genug betonen: es gibt einen gewissen Unterschied zwischen REISE und URLAUB! Aber leider, leider… beides neigt sich nun dem Ende zu. Wir rollen heimwärts ...

EINE UNVERGESSLICHE TOUR  ... mit unvergesslichen Begegnungen. Vielleicht sehen wir uns wieder, irgendwann, irgendwo, unterwegs.

Nun noch ein letzter Abstecher nach Tabriz und wir rollen über die Grenze nach Armenien.

ARMENIEN, DER ZWEITE VERSUCH

Der erste war unsere Kaukasustour 2016 und damals wurden wir nicht wirklich warm mit Land und Leuten. Eine gewisse kaukasische Grimmigkeit ist uns in Erinnerung geblieben, schlechteste Straßen, verbreitete Armut, zeit- und geldraubender Grenzübertritt … Was hat sich getan seitdem? Das Grenzprozedere hat sich deutlich geändert, aber zeit- und geldraubend ist es trotzdem noch und auch alles andere ist mehr oder weniger wie gehabt. Das Land kommt nicht vom Fleck. Noch nicht zumindest, es tut sich zwar was und man wird sehen, wohin die Reise geht, jedenfalls ging unsere Reise mitten hinein in den politischen Aufruhr des „Armenischen Frühlings“. Die Hauptstadt hieß es meiden, auf den Landstraßen reihten sich Straßenbarrikaden aneinander. Mal hieß es stundenlang warten, mal konnten wir verhandeln und kamen durch. Am Ende sind wir auch diesmal nicht lange im Land geblieben. Ein paar schöne Eindrücke gab es trotzdem von typisch armenischer Berglandschaft und Kirchen, Klöster, Kreuzsteine. Armeniens Schätze.

QUER DURCH DIE TÜRKEI

Wir rollen wieder Richtung Westen, aber eilig haben wir es nicht, also entscheiden wir uns gegen den kürzesten und nehmen den vielleicht schönsten Weg quer durch die Türkei: die D010 am Schwarzen Meer entlang, mehr als 2000 km von Hopa bis Karasu. Zuerst gut ausgebaut und immer schön mit Meerblick, dann schmal und schmaler an den Hängen entlang rauf und runter und über hunderte Kilometer durch dichtes Grün, ausgedehnte Wälder und Haselnußplantagen. Belohnung für die Mühe: kleine verwunschene Orte, schöne Übernachtungsplätze und offene Herzen und Arme der Leute, die hier wohl so gut wie nie Ausländer zu Gesicht kriegen. Einmal stoppen wir abends, suchen nach einem Übernachtungsplatz, da springen ein paar Leute aus einem PKW: sie haben uns vorbeifahren sehen, sind uns nach, möchten uns einladen, auf ihrem Grundstück zu übernachten. Meerblick, überdachter Sitzplatz an einem Fluß, WLan und fangfrischer Fisch… Ein anderes Mal werfen wir in einem kleinen Hafen den Anker für die Nacht, als keine 5 Minuten später das erste Polizeiauto neben uns auftaucht: die übliche Passkontrolle? Im Gegenteil: Begrüßung durch den Revierchef und Einladung zum Kaffee. Dann ein zweites Polizeiauto und eine Einladung zu einem privaten Gitarrenkonzert im Hafencafé am Abend… Wow! Wie oft waren wir schon in der Türkei? Oft. Und immer wieder passiert uns sowas, die enorme Gastfreundschaft in diesem Land ist kaum in Worte zu fassen. Aber wir müssen weiter, in großem Bogen an Istanbul vorbei via Gallipoli zurück nach Europa.


ZURÜCK IN DEN IRAN

Kurz vor Weihnachten waren wir auf der arabischen Halbinsel angekommen. Jetzt geht es heimwärts und noch einmal führt uns der Weg dabei durch das Land der maximalen Gastfreundschaft. Die zwei Monate, die wir letztes Jahr in Iran verbracht haben, haben längst nicht ausgereicht für alle interessanten Orte. Diesmal werden wir Shiraz besuchen können, wollen rauf ins Zagros-Gebirge und rüber in den westlichen Landesteil. Dann geht es weiter über Armenien, Georgien, die Türkei, ... back to Europe.

ZIEL ERREICHT

Nach 5 Monaten auf Achse sind wir nun endlich im Oman - ausgestattet mit einem kurzen dafür kostenlosen 3-Wochen-Visum. Man versprach uns, wir  könnten es  bei Gelegenheit ein gutes Stück verlängern und deshalb    haben wir es nicht eilig, bewegen uns erst einmal ganz gemächlich die Küste entlang auf Muscat zu. Die Straßen sind top, die Supermärkte voll und günstig, Frischwasser gibt es for free an großen Wassertankstellen, es gibt überall Platz zum Übernachten und überall ist es schön und warm und sauber und die Omaner sind freundliche Neugierige. Wir fühlen uns pudelwohl hier. Zeit zum Entschleunigen, hier kommen dann endlich auch die Bücher mal raus aus den Schränken. Aber zuerst geht’s in die Hauptstadt …


Alles Augenmerk richtet sich nun wieder auf die Technik und unsere drei dringlichsten Wünsche...

  1. Wir möchten eine Werkstatt finden.
  2. Wir möchten eine Werkstatt finden, der wir verständlich machen können, worin unser Problem besteht.
  3. Wir möchten eine Werkstatt finden, der wir verständlich machen können, worin unser Problem besteht, und die zur Reparatur Willens und in der Lage ist.

Eigentlich 1. bis 3. absurd, wenn man die iranischen Gegebenheiten kennt (Ist vielleicht irgendwo 'ne gute Fee in der Nähe?) Aber gegen alle Wahrscheinlichkeiten  gelingt es, am Ende kommt der Spürsinn eines Mercedes-Mechanikers drauf, daß ein simpler O-Ring auf einem Schieber in einem Ventil hinüber war, das dadurch allenthalben verklemmte. Gefahr erkannt, Gefahr gebannt. Hoffentlich! Wir können also doch noch in Ruhe Kerman anschauen und wiedermal raus in die Wüste.

AUF DEM SPIELPLATZ DER WÜSTENSÖHNE


Wenn man von der Küstenautobahn hinter Abu Dhabi Island Richtung Süden abbiegt, taucht man schon nach ein paar Hundert Kilometern ein ins Empty Quarter, in die große Sandwüste Rub al-Khali. Aber so gänzlich empty ist das hier gar nicht. Es gibt Grundwasser in Reichweite, ein Segen für die Dörfer der ausgedehnten Liwa-Oase, es gibt reichlich Datteln und Kamele. Und 1x im Jahr Action. Auf der Moreeb, der größten und steilsten Düne hier, verausgabt man sich lautstark während des „Liwa Sports Festival“. Wir hatten da einen schönen Logenplatz...


210 Tage auf Achse in 10 verschiedenen Ländern

23.000 km im LKW plus  2.200 auf dem Moped

17x Grenzübergang

6x Fährüberfahrt

Durchschnittsverbrauch Diesel: 26 l / 100 km

Gasverbrauch: 1Flasche à 11 kg

Verbrauch an Holzkohle: unschätzbar viel

Wasserverbrauch total:  9.000 Liter

Am GOLF von OMAN

Raus aus dem relativ dicht besiedelten Norden Omans geht’s jetzt langsam gen Süden. Dorthin, wo es heiß und sandig wird. Wir fangen mal mit ordentlich Strandsand an, haben wir beschlossen. Den Kühlschrank gut gefüllt, Frischwasser vollgetankt, Holzvorrat ist sowieso an Bord … wir werfen für 5 Tage den Anker an der Golfküste und machen mal nix. Die Temperaturen sind gerade ideal. Und damit uns nicht langweilig wird, gab es ein Highlight. Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes, denn eines Abends begann urplötzlich das Meer zu leuchten. Die anrollenden Wellenkämme schäumten in leuchtgrün und auch die Motorboote der Fischer zogen lange Leuchtstreifen über die dunkle Wasserfläche. Überirdisch und faszinierend, aber flüchtig und sehr fotoscheu! Wikipedia sagt, da waren Einzeller am Werk mit dem netten Namen Nachtlaternchen.

DER ÖSTLICHSTE ORT UNSERER TOUR

… ist Sur. Ein leuchtend helles, unaufgeregtes Städtchen mit Stadtstrand und Dhau-Werft auf der östlichsten Landspitze von Oman, wo ein „Hörnchen“ raus in den Golf ragt. Wir sind nicht auf direktem Weg hier gelandet, sondern durch erste Wadis gekurvt. Pisten, Kies, Furten, auf und ab am Hang entlang. Schöne Landschaft und erfrischende Oasen, in denen man über uralte, immer noch funktionierende Bewässerungskanäle wandern kann. Tiefgrüne Badepools locken, Naturzauber, nicht von Menschenhand. Dann geht es weiter gen Süden die Küste entlang. Sugar Dunes sind angesagt und, um da hin zu kommen, lange Sand-Strand-Strecken.


 

GANZ NORMALES LEBEN

… macht sich etwas rar im Oman. Wegen Sonne, Hitze, Traditionen spielt sich hier nicht allzuviel in der Öffentlichkeit ab. Wer das pralle Leben erleben will: Wochenmärkte! Der Viehmarkt in Nizwa ist allgemein bekannt und hat mit Abstand die meisten „westlichen“ Besucher. Wir waren natürlich auch dort, klar, aber vorher ganz in der Nähe im Souq von Sinaw oder Sanaw, Ortsnamen variieren im Oman ständig. Und das war weit interessanter, dichter und unaufgeregter. Hier wird genauso um Ziegen in allen Farben, Sorten und Größen gefeilscht, aber auch um Kamele und ganz nebenbei handeln die Beduinen traditionelle Waffen und Gerätschaften. Augenweide! Besser, man kommt schon am Abend vorher an, kraxelt im Abendlicht noch durch die alten Stadtviertel aus verlassenen Lehmgebäuden, hat beim ersten Ruf des Muezzin den Frühstückskaffee fertig und genießt dann die Stimmung auf dem Markt im frühen Sonnenlicht. Absolut lohnenswert!


ORIENT-GESCHICHTE

Die arabische Halbinsel und ihr großes „leeres Viertel“ aus Sand - wo können sich da schon Spuren der Menschheitsgeschichte auftun? Im Oman definitiv, da war tatsächlich schon einige tausend Jahren zurück eine Hochkultur zuhause. Bodenschätzen und der günstigen Lage an den großen Seehandelsrouten sei Dank. Sindbad war nicht nur Seefahrer, er war Omaner. Jedenfalls gibt es hier jede Menge „alte Steine“ anzuschauen, die teilweise nagelneu wirken, so aufwendig wurden sie wieder hergerichtet. Hier weht einen ein schöner Hauch vom alten Orient an.

IN DER 6. WOCHE

… wird es Zeit für uns, den Rückweg anzutreten. Fast 4000 km sind wir am Ende im Oman gefahren, die letzten davon rollen wir die Küste entlang Richtung Emirate, für ein paar Genießertage mit Strandleben und fangfrischen Leckereien. Dann kurzer Halt in Muscat, um uns für den Iran zu präparieren. Wir brauchen erstens ein frisches Iran-Visum und zweitens ein wenig MAN-Pflege, Verschleiß an der Fahrerhauslagerung, ein paar Schweißnähte an den Federpaketen… Klappt alles wie am Schnürchen. Welchen Grenzübergang in die VAE wir wählen werden, ist allerdings noch unklar. Auf einem Weg gäbe es noch interessante Bergoasen, allerdings sind dort aktuell Temperaturen an die 40 Grad vorhergesagt. Alternative wäre der Weg über den Fährhafen Shinas. Von hier aus käme man in 3h nach Musandam, Omans Exklave im Norden. Da pendelt 2x die Woche ein Katamaran, der mit 4 MTU-Motoren mit einer Gesamtleistung von 32.000kW angeschoben wird und bis vor Kurzem noch als schnellstes Fährschiff der Welt galt. Wir hatten schon vor Wochen einen Email-Pingpong mit der Fährgesellschaft begonnen zwecks Buchung. Fahrzeugdaten geschickt, Bilder, Passkopien. Erst hieß es „yes“, dann „maybe“, am Ende „no way“. Hm, wie stehen dann so die Chancen, wenn wir einfach kurz vor Abfahrt spontan versuchen „aufzuspringen“?

DAS ARABISCHE NORWEGEN

… wird Musandam ganz oben im Norden der arabischen Halbinsel gerne genannt, der Landschaft wegen. Hohe Felsen ragen ins Meer, es gibt Fjorde, überraschende Wetterwechsel … damit hören sich die Ähnlichkeiten aber auch schon auf. Erstens friert man in Norwegen auch im Sommer bitterlich, hier ist es schon im Frühling heißer als heiß. Zweitens sind Norweger leidenschaftliche Tunnelbauer, hier macht man exakt das Gegenteil. Man verbindet überirdisch den tiefsten und höchsten Punkt in der Landschaft möglichst ohne große Schnörkel, Straße fertig. Unbefestigt versteht sich, Steigung wurschtegal, wir hatten wieder Mal Freude am Fahren! Und im Übrigen ein Riesenglück, daß uns die Fähre in Shinas tatsächlich aufgeladen hat. Musandam hätte andernfalls nicht mehr in den Plan gepaßt. Danke an das freundliche Team der NFC und Grüße an die Piloten aus Bulgarien und Estland, denen wir auf der Brücke kurz Hallo sagen durften. Nun hießt es Abschiedsnehmen, wir verlassen Arabien…


SHIRAZ & PERSEPOLIS

Mit jedem Kilometer, den wir uns jetzt von der Golfküste wegbewegen,  normalisieren sich die Temperaturen. Vom Hochsommer geht’s direkt in den Frühling, das heißt in Shiraz blühen die berühmten Gärten und die Parks und die Rosenmoschee ist sowieso die reinste Pracht, mit ihren unvergänglichen Farben und Mustern. Die Picknick-verliebten Iraner verlagern ihr Leben scheinbar nun komplett nach draußen, wir hatten fast vergessen, was das bedeutet! Jedes Stückchen Wiese in der Stadt ist belegt und qualmt und der ausgelassene Lärm der Familien legt sich erst weit nach Mitternacht einigermaßen. Wir tauchen für ein Wochenende voll ein in den iranischen Trubel, sind dann auch sehr froh, daß wir die einzigen sind, die nach Persepolis weiterziehen. Dort, rund um die „alten Steine“, die Göttern und Helden huldigen, herrscht göttliche Ruhe. Und von hier aus geht’s nun nicht nur weiter rauf in den Norden, sondern auch rauf auf die Berge, das Zagrosgebirge lockt.


ZAGROS-GEBIRGE

Hatten wir uns gerade noch vor ein paar Tagen über den Frühling gefreut, weil es uns nach der der großen Hitze am Golf nicht kalt genug sein konnte, sind wir jetzt glücklich, daß es nicht zu arg ins Minus geht! Die Straße von Aligudarz nach Sefid Dasht im Zagros führt uns mal eben auf über 3000m, es ist richtig zapfig! Aber immerhin schon geräumt, haha. Wieviele Monate ist es her, dass wir zuletzt an einem richtigen Fluss übernachtet haben?! Das Geräusch von fließendem Wasser! Die Farbe von Wiese und Bäumen am Ufer! Jetzt wird uns gerade so richtig klar, wie sehr wir das vermisst haben ...


LORESTAN & KORDESTAN im WEST-IRAN

Eine Provinz voller Bergstraßen und -dörfer. Khorramabad und Kermanshah liegen auf dem Weg und weiter geht's ins iranische Kordestan. Ganz abgelegen, ganz nah an der Grenze zum Irak. Sensationell schöne Bergstraßen, aber zeitintensiv und nichts für Höhensensible. Auf der Fahrt von Paveh nach Marivan ist man für 120 km einen ganzen Tag unterwegs, wird unterwegs einige Male an Militär-Checkpoints um die Pässe gebeten, an jedem mit freundlichem Lachen und Wünschen für eine gute Reise versehen weitergeschickt und landet am Abend im Iran der kurdischen Traditionen. Bunt und glitzernd die Kleider der Damen und exotisch die der Herren mit Pluderhosen und Kopfschmuck. Wir aber sind dann doch die eigentlich „bunten Tierchen“ hier, werden immer wieder angesprochen, obwohl die Verständigung noch schwieriger ist als anderswo, alle wollen auch hier wieder Fotos von uns, sogar nach Mitternacht klopft uns noch einer wach, nimmt all sein Englisch zusammen  und ruft durchs Fenster: „Come out for camera!“ Fanden wir in dem Moment nicht ganz so lustig, aber gefallen hat uns der Abstecher in den äußersten Westen unbedingt. Kommen wir wieder in den Iran, fahren wir hier nochmal hin und nehmen uns mehr Zeit dafür!


TIFLIS, WEIL’S SO SCHÖN IST

5 Tage haben wir diesmal nur für Georgien, 2 davon aber ganz allein für Tiflis. Mal schauen, ob sich hier was getan hat seit unserer letzten Tour in 2016? Oh ja und ob! Zwar gibt es noch die windschiefen Holzhäuser und Kleinstgeschäftemacher in Sachen Schlüssel-, Schuh- und Uhrreparaturen und die Gemüsefrauen mit ihrem Gurkendutzend auf Zeitungspapier und die Heiligenbildverkäufer … aber da, wo wir damals noch heißes, duftendes Brot aus einer kleinen Kellerbäckerei so urig durch’s Fenster gereicht bekamen, wabert nun Shisha-Rauch aus einer Bar. Und das ist nur ein Beispiel, es wird überall abgerissen, renoviert, modernisiert für noch mehr Cafés, Hotels und Cafés und Hotels. Aber die Stadt ist und bleibt ein Traum! Große Stadt mit großem Fluß - das hat halt immer was. 

Tja, was wir leider nicht hatten, war eine georgische Autoversicherung. Neuerdings strikte Vorschrift, wußten wir nicht, haben schließlich eine deutsche Versicherung dabei, die war bei der Einreise auch noch völlig ausreichend. Bei Ausreise plötzlich nicht mehr. Um der angedrohten Strafe zu entgehen, sind wir notgedrungen wieder rein ins Land und zum nächstbesten Versicherungsbüro.

So fahren wir jetzt weiter durch die Türkei mit dem „guten Gefühl“, in Georgien ordentlich versichert zu sein. Das Moped hat übrigens extra gekostet, obwohl es nur Huckepack dabei war.

MUSCAT

Eine der Städte dieser Welt, deren Name so einen ganz besonderen Klang hat. Wunderschön entlang der Golfküste ausgestreckt und von schroffen, vollkommen pflanzenleeren Bergen umgeben. Im Souq duftet es aus den Shops heraus nach Weihrauch aus Südarabien. In der Großen Moschee kann man sich nicht sattsehen an all den Feinheiten in und an den Gebäuden. Beim Spaziergang durch das Palastviertel beeindruckt der Gestaltungs- und Pflegeaufwand, der hier betrieben wird. Schön anzuschauen auch die Omaner in ihren weißen bodenlangen Dishdashas und mit typischer Kopfbedeckungen, Omanerinnen in bunten Gewändern, überall quirlige Familien aus Indien oder Pakistan, die ja hier wirtschaftlich absolut unentbehrlich sind. Schöner orientalischer Zauber.

ORIENT

HERBST  2017 bis SOMMER 2018

Unsere bislang längste Reise. Der Orient ist unser Ziel, Iran das spannendste Reiseland dabei, Oman das Endziel dieser Tour. Das nötige Visum für den Iran besorgen wir uns vorab. Das geht ruckzuck: Referenznummer über das nagelneue eVisa-Portal beantragen, Gebühr überweisen, Pässe ans Konsulat schicken und ein par Tage später sind die Visa in der Post.

Aber auch unsere Fahrzeuge (das Moped ist natürlich wieder mit von der Partie) benötigen auf dieser Tour erstmals Papiere, denn ab Iran heißt es Carnet de Passage abstempeln. Das gibt's beim ADAC und los geht's. 

   

DIE ERSTE ETAPPE

... ist der Seeweg von Venedig nach Igoumenitsa. Die gemütliche Tour also, haben sogar noch einen Platz auf dem Open Deck erwischt und können während der Überfahrt im Auto übernachten. "Hafen von München" wird Venedig ja zuweilen genannt. Was uns betrifft, ist da tatsächlich was dran - nun wohl schon zum 5. oder 6. Mal starten wir als Münchner eine Reise, indem wir in Venedig auf ein Fährschiff rollen.  Das heißt, Venedig kennen wir mittlerweile gut, aber trotzdem: auch diesmal nehmen wir uns die Zeit für einen ausgedehnten Spaziergang. Und pfeilgerade lenkt der Zufall unsere Schritte hin zum Iranischen Pavillon der diesjährigen Kunstbiennale! Ein Zeichen?! Jedenfalls mal schon die erste Einladung zu persischem Tee, bevor es überhaupt losgeht.

Danach Aufwärmephase mit Strand und Sand in Griechenland. Eine Woche, maximal! Mehr Zeit geben wir heuer Griechenland nicht, das zumindest war unser fester Entschluss vor Abfahrt. Denn eines ist klar: hat man griechischen Strände einmal außerhalb der Saison genossen, entwickelt man Seßhaftigkeit. Die können wir uns diesmal nicht leisten und geben den Pferden die Sporen. Keinen Abstecher auf den Peloponnes, keinen auf die Chalkidiki. Aber so ein bißchen Strand findet sich unterwegs trotzdem. 

Von GALLIPOLI bis IZMIR

Letztes Jahr ging’s ab Grenze geradewegs nach Istanbul, diesmal entscheiden wir uns für die Ägäisküste Richtung Süden. Das verspricht jede Menge „alter Steine“ und extra frische Luft. Angeblich hat es hier örtlich einen erhöhter Sauerstoffanteil, wenn nicht gar den höchsten im Weltvergleich. Man merkt das nicht wirklich (Fahrer) bzw. ganz deutlich (Beifahrer). Generell ist das Wetter traumhaft und je weiter wir kommen, desto heißer wird’s. Trotzdem gibt’s nahezu keine Touristen. Hotels zu, Strandschirmchen gestapelt, der Laster hat eher keine Platzprobleme am Strand. Einsam ist es dennoch nicht, denn irgendwann kommt immer ein Auto voller Leute und dann noch eins und noch eins … und alle packen Picknick aus. Unser Weg führt uns über Gelibolu (Gallipoli), Behramkale (Assos), Ayvalık, Dikili (mit Abstecher nach Pergamon) und Foça. In Gelibolu ist der erste Reparatureinsatz angesagt: der elektrische Fensterheber auf der Fahrerseite macht Probleme, die Scheibe ist ausgerastet und häng schief auf halber Höhe fest. Also alles rausfummeln, inkl. Scheibe, neu justieren, wieder verkabeln. Sitzt.

ETAPPENZIEL MANAVGAT

Hier endet nun unsere Küstentour, ab jetzt geht’s ins Landesinnere und dann strikt Richtung Osten. Stationen auf dieser Etappe waren: Didim, Akyaka, Dalyan-Delta, Bucht von Fethiye und Manavgat. Gesamtbilanz seit Grenzübertritt:

  • 1.300 km Fahrstrecke durch Baumwollfelder, Granatapfelhaine, Pinienwälder und felsige Hochplateaus
  • 12 Tage, 11 verschiedene Standorte, 10 davon mit Wellenrauschen in der Früh. Landschaftlich gesehen jeder Platz ein Traumplatz, aber nächtlicher Lärm und Müll beeinträchtigen erheblich. Vor allem Unmengen an zerbrochenen Bier- und Schnapsflaschen im Sand!
  • 2 weitere antike Zwischenstops: Ephesos, wo die marmornen Straßen event. sogar Laster-geeignet wären. Didyma,  die größte antike Tempelanlage der Türkei und in der Tat gigantisch, denn man läuft hier an Säulenstümpfen von gut 2m Durchmesser vorbei!

Leider gibt es unterwegs gleich Reparatureinsatz Nr.2: die Heizung im Fahrerhaus läßt sich nicht mehr abschalten. Das hält bei den sommerlichen Außentemperaturen natürlich kein normaler Mensch aus. Am Ende spielt der Schalter wieder mit wie er soll.  Und weiter geht's.

Von KAPPADOKIEN nach OSTANATOLIEN

Wenn man das touristische Göreme in Kappadokien Richtung Osten verläßt, muß man sich spätestens in Kayseri entscheiden: fährt man über Erzurum oder via Van-See. Letzteren hatten wir im vergangenen Jahr ausführlich, also diesmal Erzurum. Wir halten uns abseits der Hauptstraßen - traumhafte, einsame Bergstrecke. Zuerst über Altinyayla und Kangal (Hundezuchtzentrum) bis Divrigi. Ein UNESCO-Welterbe aus der Zeit der Seldschuken ist das Ziel, aber wir werden schon Kilometer vorher ausgebremst. Es ist Markttag, die Straßen mit Ständen zugebaut. Also werden zuerst einmal die Vorräte aufgefüllt und die Seldschuken-Moschee steuern wir dann zu Fuß an, müssen aber feststellen, daß sie gerade von Bauzäunen umgeben und geschlossen ist. Der Bauleiter (aus Berlin) läßt uns netterweise dennoch einen Blick darauf werfen und wir reden ein bißchen. Das Gebäude ist kurz vorm Einsturz, wird nun im ersten Schritt mit einem beheizbaren Dach aufwendig geschützt, um dann noch aufwendiger restauriert zu werden. Man ist jetzt schon in den 2-stelligen Millionenbereich vorgedrungen … Von Divrigi geht es dann weiter über Ilic nach Kemah (mit schönem Übernachtungsplatz am Fluß, der Kilometer weiter zum Euphrat wird) und weiter bis Erzurum (mit ruhigem Übernachtungsplatz ganz zentral am Bahnhof in netter Nachbarschaft zu einer alten Dampflok von Henschel aus Kassel). Egal, wo wir auftauchen, die Begrüßung ist immer herzlich und die Atmosphäre könnte entspannter nicht sein.

LETZTER STOP VOR IRAN

Für uns steht fest: der Grenzort Doğubeyazıt kommt für unsere letzte Nacht in der Türkei nicht in Frage, denn wir erinnern uns von der letztjährigen Tour her an diesen Ort mehr im negativen Sinne. Andererseits kann irgendwo im Nichts inmitten der Kurdengebiete  zu stehen, Streß auf den Plan rufen. Also Karte gecheckt und Hot Spring nahe Diyadin entdeckt (ca. 100 km vor der Grenze). Diyadin ist eine mittlere Stadt, die nur durch verwinkelte Gassen befahrbar ist. Die Hauptstraßen wurden von der Polizei mit Beton-Barrieren dicht gemacht. LKW-freundlich ist das natürlich ganz und gar nicht und als wir ankommen, ist zu allem Überfluß auch noch gerade Schule aus, eine Unmenge Kinder auf der Straße, wir müssen die Augen gleichzeitig überall haben. Die Mädchen winken nur und lächeln, die Jungs tanzen in Gruppen um den rollenden Laster und machen ein Riesengeschrei: „Hello, Hello, Foto, Foto, Money, Money!“ Ungewöhnlich für dieses Land, aber hier vor Ort ist das nunmal so. Irgendwann kommen wir dann an die zischenden Blubberpools und biegen bei einer kleinen „Badeanstalt“ ein (alles ganz rudimentär). Ein freundliches Willkommen, natürlich können wir hier übernachten und wenn wir wollen, eines der heißen Becken ein paar Stunden ganz privat haben. Wollen wir. Aber schon eine einzige Stunde kann seeehr lang werden, wenn das Wasser nahezu kochend heiß ist. Sollten wir es vorher noch nicht gewesen sein: jetzt sind wir richtig abgebrüht! Der Stellplatz ist wirklich wärmstens zu empfehlen. Und am Morgen dann Grenzübertritt, Neuland voraus!

OST- & WESTASERBAIDSCHAN

So heißen die iranischen Provinzen im Nordwesten des Landes. Eine lange Woche sind wir hier unterwegs. Entlang der Grenze zu Nachitschewan geht es durch eine grandiose Berglandschaft, in Tabriz stundenlang durch den berühmten Bazar, dann weiter nach Kandovan mit seinen Tuffsteinhäuschen,  bis nach Ardabil, das dortige Mausoleum bestaunen. Absoluter Höhepunkt auf diesem Streckenabschnitt: Übernachtung auf 3200m Höhe. Eigentlich hatten wir wieder einmal heiße Quellen anvisiert, sind dann aber doch in Sareyn bei Ardabil in Richtung Skigebiet abgebogen. Da ist derzeit noch nichts los, das könnte unser Vorteil sein. Und richtig gedacht: als wir am Ende der Straße ankommen, steht zuvällig der Manager der Anlage am Tor der noch geschlossenen Talstation und überreißt sofort, worauf wir aus sind. Am besten campt es sich auf der Bergstation, wir könnten einfach rauf, wenn wir wollen, meint er, er fährt mal eben mit. Steigt ein und los geht’s. Ein Kollege holt ihn später wieder ab und wir genießen eine einsame Vollmondnacht auf der Spitze der Piste in frostiger Luft.

Beim Thema „iranischer Großstadtverkehr“ können wir inzwischen auch mitreden. Im LKW mit anständiger Hupe fühlt man sich noch recht gut dabei. Bei Stadterkundungen mit Moped ist man schon näher dran - nah an der Nahtoderfahrung! Rückspiegel sind völlig außer Mode, Sicherheitsabstände auch, es gibt eigentlich überhaupt keine Abstände. 2 Fahrspuren in der Theorie, 5 in der Praxis. Aber außerhalb ihrer Autos sind die Menschen hier unglaublich liebenswert! Wir wurden bislang überall und ausnahmslos offenen Herzens begrüßt, bekümmert, eingeladen… man öffnet uns Türen, widmet uns Zeit … Winken, Hupen, Victoryzeichen … jeden Tag unzählige Male.

KASPIKÜSTE & ALBORZGEBIRGE

Waren wir eben noch auf über 3000m und über den Wolken, landen wir nach kaum 2 Stunden Serpentinenfahrt auf -7m im Nieselregen. Leider ist das Ufer des Kaspischen Meeres nichts, was man unbedingt gesehen haben muß. Mit Interesse schauen wir lediglich auf die um diese Jahreszeit natürlich verwaisten Strandbäder speziell für Frauen. Sichtschutzplanen bis etliche Meter ins Wasser hinein und Wachtürme zwecks Sicherstellung der guten Sitten. Hm. Dem Hafenort Bandar Anzali und seinem bekannten Fischmarkt statten wir einen kurzen Besuch ab, aber dann geht es schon wieder rauf auf die nächste Bergetappe. Wir pendeln zwischen 1000 und gut über 2000m und hinter jedem Paß tut sich ein andersfarbiges, traumhaftes Bergpanorama auf. Unsere Stationen sind Masuleh, der Sefi-Rud-Stausee, Qazvin, das Tal von Alamut und Saveh. Mal Mondlandschaft, mal Olivenhaine, dann wieder grünes Flusstal mit herbstlichen Einsprengseln. Ein letzter Genuß für’s Auge, bevor wir uns auf den Weg ins knochentrockene Hochland südlich von Teheran machen.

Aber so schön die Landschaften auch sind, noch schöner sind immer die Begegnungen mit den Leuten hier. Es kann schonmal vorkommen, daß man in der Früh noch ganz verschlafen die Tür aufmacht, draußen eine Familie vorfindet (die schon die ganze Zeit gewartet hat?!) und mal eben ein üppiges iranisches Frühstück geschenkt bekommt. Einfach so. Oder die beiden Polizisten, die uns am Stadtrand von Qazvin stoppten und uns (jeder Widerspruch war zwecklos) mit Lalülala eine Schneise durch den Feiertagsverkehr bahnten, damit wir so nah als mögliche an den Sehenswürdigkeiten parken können. Danach kannte uns dann schonmal jeder im Ort. Und prompt wurden wir auch sofort nach dem Aussteigen zu einer Familie nachhause mitgenommen zum Tee, aus dem später ein stundenlanges fröhliches Mittagessen wurde. Einfach so. Hin und wieder wird der Laster zum Briefkasten - kleine Botschaften am Scheibenwischer oder im Türspalt mit Grüßen und Einladungen. Wir erleben ein zauberhaftes Land voller liebenswerter Menschen!

QOM & KASHAN

Teheran haben wir umkurvt, da können wir auf der Rückfahrt immer noch vorbeischauen. Qom dagegen fahren wir direkt an. Die dortige Grabmoschee der Fatima gilt unter Schiiten als eines der größten Heiligtümer und da es in Iran auch Nicht-Muslimen freisteht, Moscheen zu besuchen, wollen wir unbedingt hin. Dafür wird Frau am Fraueneingang zuerst einmal in einen blumigen Leih-Tschador verpackt. Dann wird ein Begleiter organisiert, der sich (dezent im Hintergrund) mit uns durch die weiträumige Anlage bewegt und darauf achtet, daß wir nicht etwa irgendeine Regel überschreiten. Die Gebäude, ihre Aura und die Ergriffenheit der Menschen hinterlassen einen tiefen Eindruck! Wir schlendern danach noch lange durch Basar und Hintergassen. Spät geht es weiter zum nächsten Ziel. Kashan und sein Basar, Karawansereien, Lehmhäuser und dann geht’s in die Wüste.

EINTAUCHEN IN DIE WÜSTE

Von Kashan aus ist die Wüste Dasht-e Kavir nur einen Katzensprung entfernt. Also stecken wir die Nase mal rein, hatten wir gedacht, und Kurs auf den Namak-Salzsee genommen. Daraus wurde nichts, die Route war wegen Militärmanövers gesperrt. Dann eben auf einer anderen Piste rein ins große Nichts und schon tauchen die ersten hohen Dünen auf. Wir kuscheln uns so nah wie möglich ran an eine der größten und beschließen zu bleiben. Ein, zwei Mal am Tag trennt sich der „Nachbar“ kurz von seiner Kamelherde, um bei uns nach dem Rechten zu schauen. Und fragt - ohne verständliche Worte aber gestenreich - immer das gleiche: „Was tut ihr hier?“ Tja, gute Frage. Einfach nur da sitzen, auf die Düne klettern, Feuer machen, Sterne anschauen… Die Stille scheint hier leiser und der Sternenhimmel voller als irgendwo sonst.

ISFAHAN. DU SCHÖNE!

Isfahan, den Namen kennt  jeder. Unsere nächste Station  ist eine Wohltat, Millionenstadt, aber sie fühlt sich ganz und gar nicht so an. Keine hohen Gebäude, viele Alleen, große Parks, üppiges Grün an beiden Seiten eines großen ausgetrockneten Flußbetts mit malerischen Brücken. Bilderbuchstadt des Orients. Wir hatten so viele Bilder gesehen und stehen nun wirklich auf dem angeblich zweitgrößten Platz der Welt, dem „Abbild der Welt“! Es gibt Restaurants, Cafés, Eisdielen (unser Favorit: Safraneis. Zum Niederknien!) Abends ist Leben in den Gassen. Pärchen und Familien, alles bunt und quirlig, zwanglos, Picknick mitten in der Stadt und Shopping. Moscheen, der Basar, armenische Kirchen... der Tourist wird hier schwer beschäftigt! Nach 3 Tagen Stadt, so schön sie auch ist, müssen wir dennoch weiter. Es geht wieder raus in die Wüste.

UNTERWEGS AUF DER SEIDENSTRASSE

Wir lenken unseren „Karawan“ auf einen alten Karawanenweg. Ganz klassisch gibt es hier Sand & Wellblech und Wellblech & Sand und wieder Sand &… Stundenlang kein Auto. Von hinten nicht, es kommt auch keins entgegen. Leere Landschaft, kein Mensch, kein Kamel. Die Sonne sinkt, langsam sollte mal das Ziel auftauchen. Und da ist sie auch plötzlich, wächst quasi direkt aus dem Boden, die Karawanserei! Was für ein Anblick! Wir sind angekommen. Aber rein kommen wir nicht, es fehlen uns nur 2 cm, hüben und drüben. So bleibt es halt draußen, unser Riesenkamel, der Sternenhimmel ist auch da wunderschön. Mitten in der Nacht taucht dann doch noch ein Mensch auf. Prescht mit seinem Pickup heran: „Salaam! Turist? Welcome to Iran!“ Hält die Zigarette hoch ans offene Küchenfenster, kriegt Feuer mit dem Gasanzünder, verabschiedet sich und düst wieder los. Nun, man hilft, wo man kann.

FEUERTEMPEL & WINDTÜRME

Wir sind nun 4 Wochen im Land und unser Iran-Visum läuft aus. Also auf geht’s nach Yazd, dort läßt sich eine Verlängerung unkompliziert in die Wege leiten. Auf dem Weg dorthin machen wir noch rasch Halt in Chak Chak. Ein Ort, spektakulär in völlig abgelegener Bergwüste gelegen, wo zwar nur in paar Gebäude am Hang „kleben“, bei dem es sich aber um den bedeutendsten Wallfahrtsort der Zoroastrier handelt (Stichwort: Zarathustra). Zeitweise sollen sich hier tausende von Menschen aufhalten, da fehlt uns fast die Vorstellungskraft, wir sind hier mutterseelenallein unterwegs. Auch dem kleinen Ort Kharanaq statten wir noch einen Besuch ab, das erste traditionelle Lehmdorf auf unserer Tour und erster Vorgeschmack auf Yazd - die Stadt der Windtürme. Wenn hier die Sonne in den Gassen brütet, der Wind Sand aus der Wüste mitbringt, das Wasser knapper wird als ohnehin … Unangenehme Vorstellung. Für uns zu dieser Jahreszeit kein Thema, die Temperaturen bewegen sich um angenehme 20 Grad herum. Yazd lädt zum Schlendern ein oder zum Ausruhen auf Dachterassen. Bei Safrantee und Pistazienkonfekt.


Am Ende haben wer 4 frische Wochen Aufenthaltsgenehmigung in den Pässen, es kann also weitergehen. Und zwar dahin, wo nicht viel in der Karte steht. Denn Stadtparkplätze sind gut & wichtig & praktisch, aber schön & einsam ist eigentlich das, wonach uns der Sinn steht, auch querfeldein auf die robuste Tour, was sein muß, muß sein. In Richtung Tabas geht es vorerst, durch raue unbewohnte Berggegend. Links die Kavir-Wüste, rechts kündigt sich schon die Wüste Lut an. In Mesr erwischt uns leider ein Sandsturm und so wird‘s nix mit Dünenwandern. Schade, aber die weiteren Aussichten trösten darüber hinweg: üppig grüne Oasen mit malerischen Lehmhäusern und Orangenhainen erwarten uns, bevor wir dann Kerman erreichen und direkt eintauchen in die Dasht-e Lut.



DIE ERDE BEBT

Der Gedanke, daß der Laster uns wegen des Druckluftproblems urplötzlich im Stich lassen könnte, begleitet uns 2 Fahrtage lang. Einen Übernachtungsstop müssen wir einlegen, bevor wir Kerman und die nächste Werkstatt erreichen können. Wir parken in einem Hochtal allein und ein Stück abseits der Straße. Die Nacht ist kurz, wir schlafen nicht sehr entspannt, aber was uns in der Früh weckt, ist auch wieder alles andere als normal: die Erde bebt. Kein Geräusch ist zu hören, der Laster beginnt sich aus dem Nichts heraus aufzuschaukeln wie auf hoher See. Durchschnaufen, als endlich Ruhe einkehrt, nichts passiert. Aber wie schlimm wird es die Leute in der Region getroffen haben? Ist Kerman betroffen? Die Einsatzkräfte des Roten Halbmonds rauschen an uns vorbei und rauf in die Berge, Richtung Kerman wird es aber ruhiger und wir sind damit auch beruhigt.

 

WÜST, WÜSTER, WÜSTE LUT

In Iran ist so viel wüst und trocken. Berge, Hochebenen, zwei „echte“ Wüsten. Wo hört die eine auf, wo fängt die nächste an? Fahrstunde um Fahrstunde verändert sich die Landschaft, wird schön und schöner, aber bleibt konstant wüst. Die Wüste Lut erst recht, aber zumindest ist sie unverkennbar mit ihren typischen haushohen Felsformationen, die Sand und Wind zurechtgeschmirgelt haben. Sie ist mörderisch heiß im Sommer mit unerträglichen 50 Grad. Wer im Winter reist, ist besser dran. Man freut sich dann über jedes Grad im Plusbereich. Trocken und gänzlich pflanzenlos sieht die Landschaft aus. In Wabenform aufgebrochener Boden, dicke Salzkruste, unter der manchmal auf wundersame Weise aber völlig nutzlos Wasser schwappt. Keine Ansiedlungen, keine Tiere, die totale lebensfeindliche Leere. Schön für uns nach so vielen Tagen in Kerman mit Stadtgeräuschen und Verkehrsgetümmel. Atemholen inmitten endloser Weiten … Und dann geht’s auf zur letzten Etappe in Iran: über Bam  zum Persischen Golf und auf die Insel Qeshm, bevor wir uns der unseligen Prozedur der Verschiffung in die Emirate stellen müssen. Man hört ja da so „Schauergeschichten“ …

TJA, KAUM FÄHRT MAN 10.000km…

… steht MAN „plötzlich“ am Persischen Golf!  Interessantes Völkergemisch findet sich hier im iranischen Südosten. Viele Einheimische haben pakistanische Wurzeln. Es gibt weit mehr Sunniten als Schiiten. Die Damen sind häufig vollverschleiert, manche tragen Masken, wie man sie von Beduinen kennt. An der Tanke stehen afghanische Laster mit bärtigen Turbanträgern am Steuer Schlange… und dulden nicht, daß wir hinter ihnen warten müssen. Man läßt uns selbstverständlich den Vortritt, leiht uns noch dazu die eigene Tankkarte… Nun sind wir schon 2 Monate im Land und doch immernoch verblüfft von so viel Entgegenkommen!!!

RÜCKBLENDE IRAN

8 Wochen haben wir im Land gelebt. Sind über 6500km gefahren. Haben an 42 verschiedenen Plätzen übernachtet. Was bleibt, wenn wir nun zurückschauen? Tolle Bilder, die schönsten nur in unseren Köpfen! Das Land ist riesig. Zahlreich die Völker, die hier leben. Warmherzige, großzügige, neugierige Menschen. Städte, Dörfer, Oasen, über hunderte von Kilometern auch mal gar keine menschliche Ansiedlung. Karge, raue Landschaft. Felswüste, Sandwüste, Salzwüste. Hitze und eisige Kälte. Die Sprache nicht zu verstehen, die Schrift nicht zu entziffern. Unbekannte Zahlen, unbekannte Zeitrechnung. Wahnwitziger Straßenverkehr. Als Reiseland ein Traum!


IM REICH DER SCHEICHS

Nun sind wir in Arabien gelandet und zwar dort, wo die Superlative das Bild prägen. Man kennt das, Hochhäuser und viel Bling-Bling. Die Stadtautobahn hat 12 rappelvolle Spuren und alle über- und unterqueren sich an Kreuzungen gleichzeitig. Aber hey, es gibt hier Verkehrsregeln!!! Der Kontrast zum Iran ist so richtig hart! Aber ehrlich gesagt, auch so richtig erholsam. Uns gefällt’s hier, wir nehmen Gas raus und lassen uns etwas durch die Emirate treiben. Dubai konnten wir gut vom Strandparkplatz aus mit Moped erkunden, waren in Deira, der Marina, auf Jumeirah… Dann ging’s weiter auf nach Abu Dhabi. Auch hier modernste Großstadt dicht an Wüste. Die hat uns natürlich gelockt, insbesondere die Oase Liwa nah an der Saudischen Grenze.



 

SULTANAT VORAUS

Das nächste Reiseziel. Oman. Schon zum Geifen nah! Aber zuerst geht es durch die kleinen Emirate im Norden, die noch einen Hauch von Ursprünglichkeit bewahrt haben. In Ras al-Khaimah überwiegt noch das typisch Arabische, auch wenn man hier Dubai eindeutig nachzueifern beginnt. Manch ehemals reizvoller Stellplatz wird gerade heillos verbaut ... Wir tauchen deshalb lieber wieder ins wüste Hinterland ab.


BERG DER SONNE

Das war eine der besonders schönen Tagesetappen: raus aus Nizwa, rein in die Wadis Tanuf und Ghul und rauf auf den Jebel Shams. Er erblickt die Sonne als Erster und verabschiedet sie als Letzter am Abend, so heißt es. Er ist die höchste Erhebung auf der Arabischen Halbinsel, über 3000m hoch, motorisiert kann man ihn bis auf gut 2000m bezwingen und mittlerweile sogar eine Runde auf ihm drehen. Man ist notgedrungen langsam unterwegs, die Pisten sind steil, aber die Ausblicke grandios. Haustür auf und Blick frei auf den Grand Canyon Omans!

Die meist genutzten Schalter im Fahrerhaus auf Oman-Tour sind übrigens: Klimaanlage, Geländegang, Differenzialsperren. Die Anstiege und Gefälle heftig, Kies und Sand in den trockenen Flußbetten tief, die Temperaturen hoch. Nicht überall natürlich, die Mischung macht’s. Jedenfalls haben wir jede Mange Fahrspaß. Die letzte Bergetappe führte auf den Jebel Akhdar bis auf 2300m. Biegt man ein auf die Bergstraße, kommt man an einen Checkpoint, dessen einzige Aufgabe es ist sicherzustellen, daß auch ja keiner ohne 4x4 nach oben startet. Als wir dort raumfüllend anrollen, streckt der Posten lachend die Arme aus, Handflächen nach oben: „Maschallah! Do you want to drive up? With that vehicle? You must be Germans!“


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