GOLDENES DREIECK,

NORDVIETNAM & KOH CHANG

Dem Winter-Grau-in-Grau entfliehen, Sonnenlicht tanken und eintauchen in ferne Lebenswelten - Südostasien bietet uns all das und, auch wenn wir schon so viele Male in diese Region gereist sind, es bietet uns immernoch so viel Neues und Exotisches. Also los! Diesmal mit dem Flieger direkt in Thailands Norden und weiter per Auto durch das einst berühmt berüchtigte Goldene Dreieck, das einen so unglaublich unguten Beitrag zur Menschheitsgeschichte liefert, aber sich uns ganz bescheiden präsentiert. Keine Paläste, keine Villen, kein Glanz - mit Ausnahme freilich der Tempel, die sich in nahezu jedem Ort befinden. Wir fahren durch die üblichen Dörfer mit Holzhäusern auf Pfählen - je nach Stammeszugehörigkeit der Bewohner mal mehr, mal weniger beschaulich. In den Städten Geschäftstätigkeit im Kleinen an Marktständen und Suppenküchenwägelchen. Auf den Feldern harte Arbeit beim Anbau von Tee, Obst, Reis, Kautschuk ... Wir rollen über Straßen mit extrem steilen Passagen, an denen Nicht-Allradlern auf dem Asphalt die Räder durchgehen. Die Berglandschaft hat angenehme Temperaturen, aber die Luft ist rauchgeschwängert wie überall um diese Jahreszeit...

REISEROUTE


Einreise nach Thailand  in Chiang Rai

>> weiter mit Auto nach Chiang Saen

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>> Chiang Dao

>> Mae Rim und  Ausreise nach Vietnam


Hanoi - MaiChâu - ĐàNẵng - HộiAn - MỹSơn - HCMC


Flug nach Bangkok

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Reisedauer: 45 Tage insgesamt

Ende Januar 2016. Gut 24 Stunden waren wir "von Tür zu Tür" unterwegs. 4 Flughäfen und 3 Flieger brauchte es von München bis Chiang Rai. Der Jetlag lässt aber schnell nach. Wir übernehmen unseren Miet-Toyota und sind mir-nix-dir-nix auf Achse unterwegs von Ort zu Ort. Fast, als wären wir gar nicht zuhause gewesen seit unserer Tour im Jahr zuvor, alles wirkt vertraut. Nur warm anziehen muss man sich hier diesmal: Kälteeinbruch, 20 Grad tagsüber statt der üblichen 30. Da kriegen die Kinder Pudelmützen verpasst. Und uns schenkt man passende Getränke aus. Am ersten Tag unserer Tour kommen wir mitten im Nirgendwo an einem Schulgelände vorbei, auf dem gerade ein Sportfest im Gange war. Rundherum Essensstände, es roch herrlich und war eh Mittagszeit. Also raus aus dem Auto und rein ins Getümmel. Alle Augen auf uns, großes Hallo und Gekicher, dort wo wir vorbeikamen. Die Menschen schienen bunt gemischt aus allerhand Bergvölkern zu stammen. Nur wenige Thais waren zu sehen, geschweige denn Europäer. An einem Suppenstand zögern wir kurz und schauen und dann lässt man uns nicht mehr weg. Wir müssen uns setzen, man holt uns augenblicklich Wasser und weil es doch so kalt ist: Selbstgebrannten. Schlechtes Wetter erhöht den Geselligkeitsfaktor. Ein alter Mann setzte sich mit seiner Suppe gleich neben uns, erzählte uns Gottweißwas  und trank Gottseidank jeden neuen "Wissiky" selbst aus, den man uns vor die Nase stellte.

Zweieinhalb Wochen haben wir für unsere Touren durch die  Region eingeplant. Von Chiang Rai aus heißt unsere erste Station Chiang Saen, das "Tor zum Goldenen Dreieck ". Unsere Ausflüge durch die Bergregionen sind tagesfüllend, denn für die extrem steilen und schier unendlich kurvenreichen Straßen braucht es Zeit. Aber man wird mit einzigartigen Einblicken in das dörfliche Leben der Hill Tribes und toller Aussicht belohnt, die allerdings unter dem stickigen Rauch der vielen Feuernester in den Wäldern leidet, die die Leute hier wie jedes Jahr in der Trockenzeit selbst entfachen.

In Chiang Saen bot sich Gelegenheit für einen Abstecher zum Sonntagsmarkt. Gemüse, lebende Hühner, tote Fische, Haushaltsartikel etc. liegen auf Ständen und am Boden ausgebreitet und die Leute schlagen kräftig zu, en gros et en detail, denn es geht hier zumeist um Exportgeschäfte. In der Mehrzahl Frauen verladen unermüdlich Stunde um Stunde kisten- und säckeweise Waren aller Art (bis hin zum kompletten Badezimmer incl. Wandfliesen) auf ihre Boote, die sie am Abend rüber über den Mekong nach Laos bringen. Kleiner, unkomplizierter Grenzverkehr.



Durch Tee- und Kaffeeanbaugebiete geht es dann weiter nach Mae Suai und darauf  folgte Chiang Dao. Was genau war hier eigentlich im sogenannten Goldenen Dreieck  los zu den "goldenen" Zeiten, die erst wenige Jahrzehnte zurückliegen? Wer weiß das schon so genau, aber das entscheidende Stichwort heißt Schlafmohn und alles was ihn im Weiteren zum Rauschmittel werden lässt. Initiiert wurde "das Geschäft " durch chinesische Kuomintang, die sich hierher verzogen, als die Kommunisten sie verfolgten. Burmesische Stämme drängten sich brutal mit hinein. Franzosen und Amerikaner, namentlich die CIA, sprangen unrühmlich auf auf diesen fahrenden Zug und "engagierten" sich logistisch mit ihren örtlichen "Fluglinien".

Und die Bewohner der Region? Sie hatten die Wahl: in immer größeren Mengen Mohn anbauen oder fliehen, nichts dazwischen. Weite Gebiete waren noch bis in die 90er Jahre für Außenstehende völlig unzugänglich, kein Durchkommen für Fahrzeuge (auch nicht für die des thailändischen Militärs). Ausländer waren verrückt sich dorthin zu verirren, sie konnten leicht unter Spionageverdacht und in ernste Schwierigkeiten geraten. Und so sah man hier angeblich Opium-Karawanen von bis zu 600 Maultieren bei helllichtem Tage durch die Orte ziehen mit 500 Mann schwerbewaffnetem Begleitschutz. Das 3-Länder-Eck war nur "golden" wegen der Goldbarren, die als Zahlungsmittel Verwendung fanden.

Thailand hat inzwischen sichtbare Anstrengungen unternommen, die Region mit Infrastruktur zu versehen und damit auch militärisch beherrschbar zu machen. Man zeigt Präsenz, pro Autostunde passiert man im Schnitt 5 Checkpoints: Kennzeichen wird fotografiert, Pässe werden kontrolliert. Und der Bevölkerung verschafft man über verschiedenen Development Projects alternative Einkommensquellen.

Aber was ist mit den anderen beiden Beteiligten? In Myanmar erlauben die ewig währenden Auseinandersetzungen zwischen den Stämmen den Druglords weiterhin, ihre Geschäfte im Verborgenen zu betreiben. In Laos ist die wirtschaftliche Notlage der Bergvölker das Problem. Vielleicht ist Mohn inzwischen nicht mehr das Thema, aber wohl die Produktion synthetischer Drogen. Unglaublich ungut!

Dann der Abschluss unserer diesjährigen Nordthailand-Runde.  In Mae Rim gibt es noch einmal ausgiebig Tempel anzuschauen und Futtern durch den Night Market. Dann geben wir das Auto zurück und steigen in den Flieger nach Vietnam. Gerne wären wir "so richtig" in den vietnamesischen Norden gereist. Aber das Wetter! Während es in Thailand heiß und dampfig ist, ist es hier in diesem  Februar besonders kalt und naß, schon in Hanoi erwarteten uns nur noch frische 16 Grad. Keine Änderung in Sicht, also ändern wir  kurzerhand unsere ursprünglich geplante Reiseroute.

HANOI(sy)


Von Chiang Rai aus bringt uns der Flieger via Bangkok nach Hanoi. Was für eine Stadt! Der angeheuerte Taxifahrer tut zwar sein Bestes, aber er kommt einfach nicht ran an unser Hotel. Es liegt mitten in der Altstadt und die ist nun just als wir anreisen für sämtlichen motorisierten Verkehr gesperrt. Nachtmarkt nennt man das Gewühl aus Marktständen, Suppenküchen und schlendernden Menschen, das jedes Wochenende für ein paar Stunden die Szene beherrscht. Also gehen wir das letzte Stück zu Fuß und können schon einmal am eigenen Leib erfahren, warum die Stadt gerne auch "Hanoisy" genannt wird. Sie ist mehr als quicklebendig und laut, irre laut, rund um die Uhr.


Egal zu welcher Tageszeit, setzt man nur einen Fuß auf die Straße, wird man unweigerlich vom Strom der Menschen und Fahrzeuge in den Gassen mitgerissen. Auf den wenigen Bürgersteigen liegen Waren aus, werden Suppen gekocht und parken Mopeds dicht in Reihe, man muss zwangsläufig auf der Fahrbahn spazieren. Schön hintereinander, Arme dicht am Körper, denn die Mopeds "suchen Körperkontakt". Es ist für alle viel zu eng! Stehenbleiben oder umdrehen geht gar nicht, man muss sich dem Strom überlassen, und will man über eine Kreuzung, dann einfach loslaufen, mitten durch die rollenden Fahrzeuge hindurch, möglichst gleichmäßig und berechenbar, dann umkurven sie einen.

Dem Lärm der Stadt entkommt man nirgends. Manchmal bietet sich ein Tempel an zum Atemholen. Aber à propos Atemholen: die Luft ist dick voller Abgase und Rauch. Das tägliche Ritual, Papiergeld oder andere spirituelle Stücke vor den Türen zu verbrennen tut sein Übriges dazu. Doch so hoch der ungewohnte Stresspegel für den Durchreisenden auch sein mag, man will die Stadt voll auskosten. Es herrscht Fröhlichkeit, Leichtigkeit und ein achtsames Miteinander vor, man fühlt sich willkommen. Und das Essen, Leute! Es gibt nahezu überall Hervorragendes zu kosten - schlicht, einfach und immer frisch. Auf der Straße oder raffiniert im Restaurant.

MAI CHÂU


Nach vier Tagen im Getümmel zieht es uns allerdings raus auf's Land an die frische Luft. Wir nehmen einen Fernbus, der die 140 km bis zum malerischen Tal Mai Châu in knapp 4 Stunden zurücklegt. Unterwegs hält er immer mal, dann holt jemand ein Paket ab, dass wer anderes dem Busfahrer in Hanoi übergeben hat. Scheint gut organisiert. Oder es steigen Schüler ein, die dann eine halbe Stunde später irgendwo im nirgendwo wieder rausgelassen werden. Jedenfalls wird der Bus richtig voll unterwegs und man rutscht zusammen, teilt sich mit wem anderen notfalls einen Klappsitz im Gang. Muss wer aussteigen, geht das nur mit Drübersteigen über die vorderen Reihen. Einmalige Bilder bieten sich während der Fahrt, man müsste direkt mit den Augen fotografieren können! Das Mädchen z.B. das ganz hinten auf einem Moped sitzt und während wir parallel nebeneinander herfahren, winkt und  lacht, lacht und lacht. Vor ihr sitzen noch 2 andere Kinder, dann der Fahrer, vor dem noch 2 kleinere Kinder stehen ...

Die Wettervorhersage verspricht Scheußliches. Was soll's, wir können unmöglich im Guesthouse versauern, also  schnappen wir uns sofort nach der Ankunft ein Moped und streifen durch die Gegend. Gerade werden die Reisfelder bestellt. Wie es aussieht, steht alles was Beine hat bis zu den Knien im Wasser und verteilt Setzlinge, schön in Reih und Glied. Vermutlich wird das Tal in Kürze vor frischem, hellem Grün nur so strahlen. Im Moment prägt noch brauner Schlamm das Bild und die Wolken sorgen für halbfinsteres Grau. Es ist ein wenig schade, aber Wetter ist wie's ist. Bevor dann der Regen einsetzt, schaffen wir es noch, die Nasen in eine kleine "Fabrik" zur Herstellung von Chopsticks zu stecken. Erst werden Bambusstämme in die passenden Stücke gesägt, halbiert, gespalten ... 20 Leute ca. werkeln da hart, ohne Gehörschutz in fürchterlichem Getöse urtümlicher Maschinen.

HộiAn - MỹSơn


Dann bringt uns der Bus wieder zurück nach Hanoi. Zurück ins pralle Leben! Und von dort aus? Wohin geht es als nächstes?  Was wollten wir uns nicht alles anschauen in Vietnam! Nach Sa Pa ins nördliche Bergland wollten wir gerne, aber dort ist es kälter als kalt momentan, also verworfen. Die HaLong-Bucht wäre an und für sich ein Muss. Aber andere Reisende, die einen Tag vor uns dort waren, waren völlig gerädert und sehr enttäuscht zurückgekehrt - Wetter schlecht, Tourorganisator lausig, Touristen en masse - gecancelt. Wohin also, wenn man nach ein wenig Sonne lechzt? Nach Süden, zumindest bis über den Wolkenpass, der Nord- und Südvietnam voneinander abgrenzt. Also, Flug nach ĐàNẵng gebucht und los, Meeresufer und HộiAn als UNESCO Weltkulturerbestätte schienen uns eine verlockende Kombination. Aber Pech gehabt, das Meer schäumte jeden Tag wilder und ohne Regenjacke konnte man nicht vor die Tür.


Außerdem war uns vorher nicht klar, was mit dem Reiseführer-Vermerk bei HộiAn tatsächlich gemeint war: "Die schönste Altstadt Vietnams besitzt eine einzigartige Atmosphäre ". Hm, die von Rothenburg o.d.T. in etwa. Eigentlich benötigt die schöne, alte chinesisch-japanisch-französisch-gemischte Architektur keinerlei Hervorhebungen. Doch die Straßen sind überladen mit Lampionketten und sonstigen Verzierungen. Das Auge findet keinen Halt. Touristenschwärme füllen die Gassen. In nahezu jedem Gebäude befindet sich ein Shop für T-Shirts und Touristik-Firlefanz, eine Maßschneiderei oder Schuh- und Taschenmacher. Dabei ist das mit den angepriesenen Maßanfertigungen nach eigenem Entwurf so eine Sache. Bei Klamotten ist es mitnichten günstig und bei Lederwaren stößt man sehr schnell auf Grenzen, wenn man mit Wünschen antritt, die vom Üblichen abweichen. Wir wollten's wissen und fragten die perfekte Reise-Geldbörse an, wie wir sie schon lange vergeblich auf dem Markt suchen. Erst der 4. Laden kann wirklich, was wir wollen, und sieht sich in der Lage, ein vernünftiges Angebot zu machen.


Tja, und dann müssen wir auch hier wieder einmal mit großem Bedauern registrieren: der Massentourismus verdirbt die Manieren. Nur hier in HộiAn und sonst nirgends wurden wir unschön verkäuferisch bedrängt. Nun beantworten wir die superbillige Verkaufsanbahnung "Where do you come from?" schon regelmäßige mit "Senegal". Aber man muss nicht glauben, dass das wen stutzig macht oder in seinem verkäuferischen Elan bremst. Es nervt unendlich, wenn einen unentwegt einer am Ärmel zuppelt und "Hellohello!" ins Ohr brüllt.


Ein geliehenes Moped ist wieder mal  die Rettung, wir rollen raus aus der Stadt und sammeln lieber Eindrücke vom ganz normalen Leben. Wenn es ein Hellohello! auf dem Land zu hören gibt, dann von radelnden Kindern (klar, daß die uns sofort als Ausländer erkennen, wir sind die einzigen, die auf Moped Helm tragen, wir hätten die Dinger hier zu Spritzenpreisen verkaufen können!). Sobald wir zu Fuß durch ein Dorf marschieren, steigen sie auch ab vom Rad und dann wird gelerntes Englisch praktiziert. Wir machen x Mal den immer gleichen Lehrbuchdialog mit: "Where do you come from?" (mit echtem Interesse und deshalb mit  ehrlicher Antwort unsererseits), "How old are you?" und "What's your name?" und "Nice to meet you". Es wird viel gelacht dabei. Das Street Food ist übrigens hier auch ausgezeichnet, immer und überall, wir haben täglich auf der Straße und nie schlecht gegessen.


MỹSơn haben wir uns übrigens auch noch anschauen können. Eine Ruinenstädte, die Jahrhunderte von Dschungel überwuchert war, dann zugänglich gemacht, im Vietnamkrieg erneut zerstört wurde, und heute als UNESCO Weltkulturerbe gilt. Alte hinduistisch/buddhistische Tempel, die ähnliche Atmosphäre ausstrahlen wie Angkor, Bagan oder Ayutthaya.

Von ĐàNẵng nach Saigon


Zum Schluß nun noch 16 Stunden Zugfahrt und Zug in Vietnam gehört ja für viele Touristen zum Programm. Wir hatten es nun zwar nicht explizit vor, waren aber durchaus dankbar für die Gelegenheit, auch diese Erfahrung einmal machen zu können. Ungefähr zur Halbzeit unserer Reise, während wir noch in Hanoi waren und die letzten Reisetage durchplanten, stellte sich heraus, dass unsere letzte Station im Land ĐàNẵng und die Zugfahrt von dort aus nach Saigon die sinnvollste aller Möglichkeiten sein würde, pünktlich den Rückflug nach Bangkok zu erreichen. Sicherheitshalber also Fahrkarten schon am Bahnhof Hanoi gekauft und das war klug, der Zug war voll. Voller Einheimischer, no western tourists. Man hatte die Wahl zwischen Hard- und Soft-Sleeper und wir hatten uns natürlich letzteres gesichert (für ziemlich genau 50 € p.P.). In unserem rustikalen Viererabteil belegten wir die unteren Betten mit tatsächlich recht bequemer Matratze. In den oberen wechselte die Besetzung während der Fahrt alle paar Stunden durch. Was dabei nicht gewechselt wurde, war das Bettzeug, sah aber auch beim Einsteigen schon nicht mehr ganz frisch aus. Es gab 2 Toiletten pro Wagon, eine "eastern style" (bodennahe Schüssel zum Draufhocken und Loch in der Mitte) und eine "western style", deren Standard in etwa dem bei uns vor 30 Jahren entsprach. Also durfte man anständigerweise nur während der Fahrt auf's Örtchen. Einen Waschraum gab es, der allerdings nicht verschließbar und damit für unseren Geschmack entschieden zu öffentliche war.

Wir hatten etwas Proviant dabei, gekochte Eier, Wasser und Bier, Süsskram aus Sesam... Man konnte sich aber auch unterwegs verpflegen lassen. An manchen Stationen waren direkt am Zug Essensstände aufgebaut. Ab und zu kam auch jemand durch den Wagon, um Reis und Hähnchenschenkel zu verkaufen. Oder vietnamesischen Kaffee, den hatte man schon vorher fertig gekocht und als eine Art Essenz in Plastikflaschen abgefüllt. Wenn man dann einen ordert, wird ein Schlückchen davon in einen Becher gefüllt, heißes Wasser aus einem Heißwasserbereiter auf dem Gang des Wagons dazugekippt, noch zuckersüße Kaffeesahne dazu, fertig und sehr lecker. Allerdings sind wir immer irgendwie die einzigen, die ihren Kaffee "hot" wollen. Die Einheimischen nehmen in ausnahmslos mit Eis.

Die lange Fahrt hat uns jede Menge schöner Bilder beschert. Oft fährt man durch Ortschaften, in denen die Leute direkt an oder sogar auf der Schiene leben. An Bahnschranken gibt es noch Bahnwärter mit Fähnchen bewaffnet, die die Hundertschaften ungeduldiger Mopeds hinter der Schranke mühsam bändigen. Oder es geht am Meer entlang, wo man des nachts auf dem Wasser Scheinwerfer der Nachtfischer (Tintenfischfang?) schweben sieht, was ganz zauberhaft wirkt.

Untermalt wird das Ganze vom ultimativen Soundtrack Vietnams : über 16 Stunden ist der Lokführer pausenlos am Hupen!!! Auf der Schiene geht's insofern nicht anders zu als auf den Straßen.

Zum Thema Service insgesamt bleibt noch zu sagen: es gab keinen, unsere Wagonschaffnerin hatte eindeutig eher was von einer Aufseherin an sich. Ihr Engagement gipfelte am Ende im Aufweckprozedere kurz nach 5 Uhr in der Früh: die Abteiltür wurde ohne Vorwarnung aufgerissen, volle Festbeleuchtung eingeschaltet und aus Lautsprechern tönte Marschmusik. Es hätte uns absolut nicht gewundert, wenn auch noch Frühsport angeordnet worden wäre ...


Fazit: Vietnam ist definitiv eine Reise wert, Wettermisere hin oder her. Wir haben geschlemmt und so mit Sicherheit zugelegt, das Essen ist außergewöhnlich gut hier! Und hier geht es voran, auch wenn mal einen ganzen Tag lang ohne jede Vorwarnung der Strom ausfällt und damit auch das Wasser, da die Pumpen nicht laufen. Aber immerhin schweigen dann auch die Lautsprecher in den Straßen eine Weile und es gibt wenigstens vorübergehend keine Marschmusik und Ansprachen. Jeder ist hier busy busy busy, die Wirtschaft dreht sich, in der Aufwärtsspirale. Chinesen? Fehlanzeige, bis auf ein paar wenige Urlauber. Wir erinnern uns an Laos, das genaue Gegenteil. Dort scheint man die Tage zu verschlafen, der große Nachbar übernimmt derweil das Land, ohne groß Geräusche zu machen. So wacht eben auch keiner auf. Vietnam dagegen ist hellwach! Gab es auch was Schlimmes zu berichten aus Vietnam? Ja, es gab gegrillten Hund!!!

KOH CHANG - URLAUB VOM REISEN


Zum Abschluß unserer 6 Reisewochen tauchen wir noch für ein paar erholsame Tage in den Mangrovenwald auf KohChang ein. An der Westküste dieser thailändischen Insel herrscht touristischer Trubel, den wir uns lieber ersparen. Wesentlich reizvoller sind die nur leicht besiedelte Ostküste sowie die Mangroven im Süden. Hier gibt es (noch) richtig viel Lokalkolorit und die Strände sind weiß, leer, mit türkisfarbenem Wasser, gesäumt von Kokospalmen. Einige liegen allerdings so abgelegen, daß von der Anfahrt ohne 4x4 eher abgeraten wird. Wir haben wieder einmal auf einen gemieteten Hilux gesetzt, den wir in Bangkok übernommen haben und der uns nun ein lazy Inselleben bescheren soll.


Koh Chang ist die Hauptinsel des gleichnamigen Meeres-Nationalparks im Golf von Thailand im äußersten Osten Zentralthailands. Vor einigen Jahren hat man - wohl im Zuge der Etablierung des Nationalparkschutzes  - Stichstraßen durch's Gebirge bis an die Küste und Walkways durch die Mangroven gebaut, um die landschaftlich schönsten Gebiete für Besucher zugänglich zu machen. Ihre Pflege muss dann aber irgendwie "unter den Tisch gefallen" sein. Zugegebenermaßen ist das mit Sicherheit ein besonders kostspieliges Unterfangen - so, wie die klimatischen Verhältnisse hier jeder Art von Baumaterial zusetzen. In der Regenzeit sind Schlammlawinen und Überschwemmungen "normal", die Straßen rutschen ab oder werden insbesondere an den hier unvermeidlichen großen Steigungen löchrig und tief ausgewaschen. Auch den Walkways fehlen etliche Planken. Aber man sollte das gar nicht zu arg beklagen, denn allein wenn es nur so bliebe, wie es ist, wäre schon viel gewonnen! Der Tourismusindustrie wird die Westküste sicher bald zu eng werden, sie wird auch den Rest der Insel überwuchern und der Natur ihren Platz streitig machen. Außerdem und schlimmer noch: Schrimp-Farmen in direkter Nachbarschaft der Mangroven leiten immer wieder Chemikalien in den Schlamm, der sich dort nachhaltig festsetzt und das so wertvolle und hochproduktive Ökosystem sukzessive abtötet. Für ein Gegensteuern dürfte es bereits zu spät sein.


Wir sind also froh darum, quasi noch rechtzeitig hiergewesen zu sein. Statt in einem Ort voller Resorts wohnten wir in einem Dorf inmitten von Mangrovenwälder. Normales Leben auf dem Lande. Die Leute sitzen beieinander vor ihren Häusern, den nie geschlossenen Shops und auf den bunten Fischerbooten. Streunt man über die Stege zwischen den Häusern, unter denen das Brackwasser faulig miefend schwappt, wird man gegrüßt, es wird ein wenig gescherzt, die Kinder erlauben sich ein paar Späße. Oder man sitzt im Dunkeln auf dem "eigenen" Steg und lauscht in die Mangroven hinein. Hat man Glück, hört man einen großen Gekko rufen, sehr selten mittlerweile! Ständig in den Ohren hat man dagegen das seltsame laute Knacken der Knallkrebse - die gehören ja wohl mit zu den seltsamsten Erfindungen der Natur. Paddelt man tagsüber ein wenig durch den Wald, kann man Schwärme von weißen Kranichen auffliegen sehen und große Kingfisher "bei der Arbeit" beobachten. Man kann aber auch mit einem schnittigen Motorboot auf eine der vorgelagerten Inseln cruisen und schnorcheln bis die Haut schrumpelt. Paradiesisch!


Erholt und nun erst richtig reiselustig geht's nachhause. Wir freuen uns auf europäischen Frühling. Und werden gut zu tun haben: den Laster aus dem Winterquartier holen und reisefertig machen, denn in ein paar Wochen schon ziehen wir los. Diesmal für länger, in Richtung KAUKASUS.

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