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Blick von der Fähre auf Venedig
Für den kleinen Hunger

Blick von der Fähre auf Venedig - die größten sicht-baren Objekte hier sind Kreuzfahrtschiffe!

Blick von der Fähre auf die Industrieanlage von Fusina

Olympia

Die zweite Reisewoche


"Wanderer, kommst du nach Sparta …" Dieser sagenhafte, geschichtsträchtige Ort ist heute eine ganz normale, sehr friedliche kleine Stadt. Die Fahrt von Kalamáta bis hierher war unsere erste Hochgebirgsetappe auf dem Peloponnes, 2000er hier und da. Hier herrscht kaum Verkehr, man kann es materialschonend und gemütlich angehen lassen. Die Straße ist wirklich wunderschön, der Reiseführer preist sie als eine der schönsten Paßstraßen hier im Lande an. Man schraubt sich im Nu von nahezu 0 auf 1300m, es geht unaufhörlich rauf und runter an üppig grünen Berghängen entlang, mit Blick in tiefe Täler hinunter. Erst kurz vor Sparta verändert sich das Landschaftsbild und es tauchen mehr und mehr rötliche Felsen auf, schluchtenartige Täler ziehen den Blick an und die Straße wird schmaler, taucht unter Felsüberhängen hindurch. Erwähnenswert ist dabei insbesondere der erste, denn er bietet lediglich 3,80m Durchfahrtshöhe, was allerdings erst direkt davor, also schon in quasi alternativloser Situation angezeigt wird. Für uns kein Problem, wir haben schließlich noch locker 15cm Luft nach oben. Aber was, wenn nicht?!


Kurz bevor man Sparta erreicht, passiert man Mystrás: die eindrucksvollen Ruinen einer mittelalterlichen Stadt und UNESCO Weltkulturerbe. Hier, direkt oberhalb der Festung hatten wir am Rande einer kleinen Straße bei einer frischen Quelle unseren Stellplatz für die Nacht bezogen. Vom Auto aus bot sich uns eine grandiose Aussicht auf Teile von Mystrás und über die lakonische Ebene. Ab und zu kamen Leute aus dem Ort vorbei. Manch einer suchte direkt das Gespräch mit uns und wir bekamen frische Feigen und Honigmelonen als Geschenk. Die Einwohner holten an der Quelle flaschen- und kanisterweise Trinkwasser und wir taten es ihnen gleich, füllten alle unsere schon leeren Flaschen mit frischem, gut schmeckendem Bergwasser neu.


Das nächste Ziel liegt kurz hinter Gythion. Wir werfen am Strand von Mavrovouni Anker. Der Wind pfeift uns um die Ohren, ein Surferparadies. Die Temperaturen sinken dennoch auch nachts nicht nennenswert unter 30 Grad. Der Standort ist ideal um Mopedausflüge ins Innere des mittleren Fingers, der Máni, zu unternehmen. Am Ende werden es an einem Tag gut 130 km sein, die wir auf zwei Rädern abschnurren. Die Landschaft ist zumeist karg, mehr Fels als Pflanzen. Häuser im typischen Baustil der Gegend - martialisch wirkende Wohntürme - liegen wie dahingestreußelt an den Hängen. Kleine, malerische Hafendörfchen haben wir gesehen und je weiter man ins Landesinnere eintaucht, desto ausgestorbener wirkt die Gegend. Restaurants gibt es so gut wie nie, mittags essen wir neben einer Tankstelle (wobei wir auch nach ihr erst einige Zeit suchen mussten). Das Essen war hervorragend: frisch gegrillte Souvlaki (eh klar) mit gerade erst gebackenem Pizzabrot und Salat natürlich, mit eigenhändig fabrizierten Olivenöl. Der Preis: nicht der Rede wert! Dafür um so mehr die Freundlichkeit der Leute, die außer uns gerade dort essen oder sich auf ein Gläschen treffen. Eine nette Begrüßung, ein kurzes Gespräch über woher, wohin und wielange noch, man prostet sich zu (egal, was da im Glas ist) …  und am Ende wird zum Abschied gewunken.

 

Unser nächsten Ziele liegen dann schon auf dem südöstliche Finger. Wie fahren wenn immer möglich nah an die Küste heran - Augen auf nach einem guten Stellplatz. Das Landschaftsbild ist wieder ein völlig anderes. Weite, fruchtbare Ebenen prägen es. Es gibt Orangenhaine, allerhand Feigenbäume und natürlich auch hier Oliven ohne Ende. Die landwirtschaftlichen Flächen machen einen sehr gepflegten Eindruck, ganz im Unterschied zum Nordwesten zu Beginn unserer Reise. Auch den Ortschaften sieht man deutlich an, daß die Menschen hier auf Sauberkeit und Ordnung bedacht sind. Am Ende landen wir fast am geographischen Ende und zwar in Neápoli. Die Stadt liegt wunderschön in einer Bucht, weiße Häuser überwiegen im Stadtbild. Es gibt eine lange Strandstraße, die abends zur Promenade, d.h. für den Autoverkehr gesperrt wird. Wir haben den Eindruck, hier die einzigen Touristen zu sein. Der Reiseführer empfiehlt einen schönen Strand, man solle gen Süden aus der Stadt heraus über eine Schotterpiste am Ufer entlang bis kurz vor Paleókastro fahren. Das tun wir und landen in einem kleinen Hafen für Fischerboote, stellen uns neben den einzigen Baum dort und bleiben zwei Nächte. Mit der Hex machen wir auch hier einen Streifzug durch das Hinterland über die Berge hin zu den Enden aller vorhandenen Straßen, also quasi bis in die Fingerspitzen. Winzige kleine Häfen mit unglaublich klarem Wasser erwarten uns jeweils mit nur ganz wenigen, einfachen aber gepflegten Häusern rundherum. Auf einer "Fingerseite" ist die Straße irre steil und die Ortschaft am Straßenende klammert sich an den Hang, sieht aus wie darüber hingegossen. Die Verkehrswege schlängeln sich hindurch zum Teil mit regelrechten Steilkurven und wir rollern hindurch wie in einer Kugelbahn!  Zurück am Laster treffen wir die Fischer an ihren Booten, die ihre Köder fertig machen - Peter macht ein wenig mit und spießt Hühnerfleichstückchen auf eine lange Kette von 250 Haken, gibt Bier aus, es gibt ein wenig Palaver … Merkel, Euro, D-Mark tauchen immer mal wieder auf im "Gespräch", aber die Männer sind freundlich und gastlich - wir fragen sie um Erlaubnis, den Grill unterm Baum nutzen zu dürfen, was für sie absolut in Ordnung ist, und wir legen ein großes Stück Bistecca auf, das wir in Italien erstanden hatten. Am Strand in der Nähe haben wir dann allerdings auch unsere erste und bislang einzige unerfreuliche Begegnung: kurz vorm Dunkelwerden kommt ein älterer Mann vorbei, der zwar sehr gut Deutsch spricht, aber auf Deutsche offenbar gar nicht gut zu sprechen ist. Er giftet herum und vergiftet uns damit das Wohlfühlgefühl an diesem eigentlich ganz wunderbaren Ort. Schade. Aber postwendend gab es einen Ausgleich, denn ein paar Minuten später schaute einer der Fischer noch einmal bei uns vorbei, um uns eine Flasche selbsterzeugten griechischen Weißweins zu schenken. Einfach so, damit wir ihn mal kennenlernen, seinen Wein.


Weiter geht's, wir wollen nach Arkadien. Wir wählen die kürzeste Verbindung direkt über die Berge - für Alpenerfahrene eh kein Thema. Aber in einem der Dörfer weit oben bleiben wir fast stecken. Die Bebauung am Hang ist so knapp, die Straße so eng und vollgestellt mit Bänken und Fahrzeugen, die Balkone so niedrig, die Bäume so knorrig und dicht an der Straße … wir schwitzen und arbeiten uns Zentimeterweise voran, hängen mit den Köpfen jeweils aus den Fenstern, um auch nichts zu übersehen. Jede neue Ortschaft, die auftaucht, treibt den Puls in die Höhe. Wir wollen schließlich weder Schaden machen noch nehmen. Es geht alles gut, wir kommen heil wieder nach unten und sind rundweg begeistert von der Landschaft, die sich uns unterwegs bot. Die Mittagszeit verbringen wir in Monemvasiá und parken uns erst einmal im Hafen ab. Peter fällt eine Bewegung im Wasser auf, er denkt zuerst an einen Taucher, dann an eine Robbe … aber es sind Schildkröten auf Fischfang, mehrere und richtig groß (ca. 150 kg das Stück?). Eine Schau! Wir schlendern in Ruhe durch die Stadt auf dem Fels direkt im Meer, die die Anmutung eines "Piratennests" hat. Aber wir bleiben nicht im Ort, wir fahren weiter bis in den Hafen von Geraka, einem winzigen Dörfchen in einer Art Fjord gelegen. Die Straße dorthin ist in unseren Karten nicht verzeichnet und wir hoffen, daß sie nicht gleich wieder Überraschungen bringt. Aber nichts dergleichen, sie ist geräumig, neu und top in Schuss. Im Ort ist sie dann allerdings gerade so breit wie unser Laster, so daß der während der Fahrt in den Hafen schon fast die Füße im Wasser hat. Wir verbringen die Nacht in der Nachbarschaft eines schwedischen Segelbootes. Die Besatzung - Ulf und Irma Anja (!) sitzen abends noch auf ein Gläschen bei uns und wieder werden allerhand Unterwegsgeschichten ausgetauscht. Essen waren wir im Übrigen in einer Taverne, deren Chefin Norwegerin ist. In einem griechischen Fjord ;o))

 

Am nächsten Tag ziehen wir wieder los, weiter Richtung Norden auf Leonídion zu. Die Straße ist ein Traum, der Weg gut ausgeschildert. Die Landschaft voller Heidekraut, Krüppelkiefern und halbkugelförmigen Bodendeckern. Ganz malerisch. Plötzlich: Ende Asphalt und Piste beginnt. Der Weg führt in Serpentinen auf- und abwärts, wir wirbeln eine Menge Staub auf, haben aber zugegebenermaßen "Spaß bei der Arbeit". Urplötzlich gibt es dann wieder Asphalt unter die Räder und wir fragen uns, ob das vielleicht eine kleine Uneinigkeit zwischen benachbarten Straßenmeistereien war?! Wir halten kurz zwecks Orientierung, auf einmal schiebt sich von hinten etwas Großes an uns heran … drin sitzen Maria und Reinhold. Das gibt's doch nicht! Wir fahren eine Weile im Doppelpack und verabreden uns für den Abend im Hafen bzw. Strand von Ágois Andréas. Am nächsten Morgen dicker Kopf vom Weißwein, aber nett war's wieder. Wir haben das gleiche Ziel für den Tag: Náuplia, die ehemalige Hauptstadt Griechenlands und Regierungssitz von König Otto (Sohn Ludwig I. von Bayern!).

Wrack bei Gythion
In Mystrás
Alter Wohnturm in der Máni
Sonnenuntergang bei Neápoli
An der Spitze des südöstlichen Fingers
Haupstraße in Geraka
Monemvasiá
Monemvasiá
Landstraße auf dem Peloponnes
Küste vor Náuplia
Der vielleicht einzige bayerische Löwe in Griechenland (er schläft übrigens)
Kanal von Korinth
Morgenstimmung - Einfahrt in den Hafen von Venedig
Schiffspassage durch Venedig
Morgenstimmung in Venedig
Abendstimmung im Hafen von Caleri
Lagune im Po-Delta
Ponte degli Alpini in Bassano del Grappa

PELOPONNES

Der Sommer 2014  soll der letzte sein, in dem wir mit begrenztem Zeitbudget unterwegs sind. Mit dem bevorstehenden Jahreswechsel wechseln wir in einen neuen Modus: Adieu  Berufsalltag! Du warst uns über Jahrzehnte wichtig und sehr nützlich. Aber Du mußt verstehen: es gibt noch so vieles mehr zu erleben. Also dann, auf in die letzten vier Urlaubswochen! Was wäre dafür besser geeignet, als das sonnige, das mediterrane Leben? Es zieht uns in den Süden. Wir umrunden den Peloponnes entgegen dem Uhrzeigersinn. Wir tauchen ein in die schöne Lebensart, tanken Sonne, genießen Zeit zu zweit, lassen uns treiben und von Land und Leuten inspirieren.

Die erste Reisewoche


Es ist Mitte September und Herbstwetter in Oberbayern. Wir packen unseren Laster und dann heißt es: nix wie weg in den Süden! Unser erstes Ziel ist Venedig, wir nehmen uns Zeit für Spaziergänge durch die Stadt und übernachten im Hafen in der Nähe des "People Mover" - einer Standseilbahn, mit der man bequem in wenigen Minuten in die Altstadt kommt. Dann geht's rauf auf die Fähre für ca. 36 Stunden. Wir fahren mit der ANEK von Venedig nach Patras und zwar auf dem sogenannten "offenen Deck", d.h. man kann sich auf dem oberen Fahrzeugdeck frei bewegen und im Auto übernachten (wird als "Camping an Bord" von manchen Fährlinien angeboten). Unser Laster steht günstig - nicht der prallen Sonne ausgesetzt, aber Kraft unserer Höhe schauen wir durch das Schlafzimmerfenster über ein daneben stehendes Fahrzeug hinweg auf Wasser und Himmel. Von früheren Reisen her waren wir Hafen Venedig als Start gewohnt und freuten uns auf die ersten Schiffsmeilen mitten durch die Stadt. Aber inzwischen fährt die ANEK ab Fusina etwas außerhalb ab. Der Anleger liegt mitten in einem Industriegebiet (mit u.a. muffiger Alufabrik) und ist noch im Aufbau, besteht im Moment hauptsächlich aus Provisorien aller Art. Ausgeschildert ist er noch nirgends, man errät den Weg mehr als man ihn erkennt. Lustig ist dann der Einstieg: der Beifahrer muß aus dem Auto, durch einen Sicherheitscheck wie am Flughafen und zu Fuß auf's Schiff, während der Fahrer völlig unbehelligt ohne Stop dasselbe mit dem Fahrzeug entert (?????). Wir stehen vor dem Ablegen noch lange an Deck und schauen dem Verladen der zahlreichen Sattelauflieger zu. Sie werden in einem Affenzahn auf Zentimeter und Tuchfühlung einsortiert - coole Jungs, die Fahrer wie Rangierer!


Dann sind wir da, landen kurz vor Mitternacht in Patras, schleichen gen Westen raus aus der Stadt und finden spontan einen ruhigen Übernachtungsplatz direkt am Meeresufer. Aufwachen mit praller Sommersonne und Meeresrauschen - was für ein Start! Wir wollen den Peloponnes gegen den Uhrzeigersinn erkunden. Also geht es weiter an der Küste entlang stellenweise durch ausgedehnte Pinienwälder. Die Äste hängen meist eng und niedrig, wir werden ein wenig gebürstet und gestriegelt.  In der Nähe von Kástro etwas südlich von Kyllini erreichen wir unseren ersten "echten" Stellplatz ca. 20m vom Wasser entfernt und wir bleiben zwei Nächte. Der Strand ist gepflegt, eine kleine Taverne sorgt für Leben tagsüber … Wir sind kaum angekommen,  gesellt sich der Action Mobil - MAN von Reinhold und Maria aus der Steiermark dazu, mit dem die beiden schon seit 17 Jahren in der Welt unterwegs sind. Die Campingstühle werden zusammengestellt, der Weißwein von beiden Seiten herbeigetragen, allerhand Geschichten ausgetauscht - insbesondere am Abend beim gemeinsamen Essen in der Taverne nebenan. Die beiden haben enorm viel gesehen und so einiges an Erfahrung gesammelt - waren in Südamerika, Zentralasien unterwegs. Spät verabschieden wir uns und versprechen einander, uns gegenseitig zu besuchen, was sich hoffentlich in naher Zukunft auch realisieren lässt.

Das Essen in der Taverne war übrigens sehr gut - frisch und griechisch deftig. So hatte jeder was davon - wir nutzten den von der Taverne gepflegten Stellplatz for free und der Tavernenchef ging auch nicht leer aus.


Weiter geht's nach Olympia. Schöne freie Stellplätze sind an derlei touristischen Zentren bekanntlich rar, also haben wir etwas oberhalb im Ort auf der Höh im Campingplatz Alphios Quartier bezogen, der praktischerweise auch noch einen großzügig angelegten und blitzsauberen Pool hat. Wir sind bis auf ein weiteres Fahrzeug allein. Es gibt an und für sich Carports für alle Womos, die etwas Schatten bieten. Sie sind für uns jedoch entschieden zu niedrig und so stehen wir etwas seitlich, aber können dafür aus unserem Bullauge am Hinterteil heraus über die malerische Landschaft schauen. Wir schnallen gleich nach der Ankunft unser Honda-Moped ab, das wir mit dem Laster im Huckepack dabeihaben (Eingeweihten als "die Hex" bekannt). Das ist superpraktisch zum Erkunden der Ortschaften und wir nehmen uns als erstes das Areal von Ur-Olympia und auch das dazugehörige, sehr beeindruckende Museum vor. Der Ort Olympia selbst besteht eigentlich nur aus Hotels und Souvenirläden. Es gibt einen putzigen Bahnhof, der aber vermutlich wie vieles hier im Land mehr Überbleibsel aus "besseren Zeiten" denn funktionierende Einrichtung ist. Erstaunlich vieles und insbesondere die immer wieder sichtbaren Bahnlinien werden hier augenscheinlich schon seit Längerem nicht mehr bespielt.


Am nächsten Tag lassen wir den Laster stehen und "hexen" durch die Berge durch Olivenbaum-kultivierte, aber über viele Kilometer hinweg sehr einsame Landschaft. Weite Flächen sind noch deutlich gekennzeichnet von den Waldbränden der vergangenen Jahre. Es ist heiß. Wenn wir durch Dörfer kommen, sind wir froh, mit der Hex und nicht mit dem Laster unterwegs zu sein. Es ist eng und verbaut. Die Straßen teilweise in schlechtestem Zustand. Fahrbahnhälften fehlen, da weggespült. Bauchhohes Gebüsch wäscht aus Schlaglöchern. Baumwurzeln sorgen für Mopedsprungschanzen … Aber wir genießen die Fahrt allein auf den Straßen, kaum jemand begegnete uns über all die Stunden unterwegs. Der weite Blick über die Berge und Ebenen ist manchmal atemberaubend. Wir kommen bis Andritsena, vom Reiseführer als lohnenswertes Ziel empfohlen. Nun ja, es ist hübsch, aber keineswegs besonders. Zurück an Laster machen wir uns ans Abendessen. Wir erwarten Freunde, die zufällig zur gleichen Zeit durch diese Gegend reisen und bei uns vorbeischauen. Wir sitzen bis lange nach dem Dunkelwerden draußen bei Kerzenschein und plaudern. Der Campingplatz ist an diesem Abend übrigens prallvoll. Eine "Reisegruppe" von 22 holländischen Wohnmobilen ist eingefallen und in jedem Carport steckt nun ein Womo wie ein Wombat in seiner Höhle.


Am Morgen heißt es noch rasch frische 500l Wasser tanken und weiter geht's! Wir wollen eigentlich bis in die Gegend um Kalamata. In Zacharo kommen wir an einem Vodafone-Shop vorbei und hauen spontan den Stachel rein zwecks Internetbeschaffung. Etwas weiter sehen wir eine Kantina am Straßenrand, die typische Imbissbude hier, und lassen uns Souvlaki mit reichlich Zatziki schmecken. Kurz vor Kalo Nero, wo wir die Küste verlassen wollen, machen wir noch einen Abstecher zum Strand, nur um mal zu schauen, wie es dort so aussieht. So vergeht die Zeit, ohne daß wir nennenswert vorangekommen wären. Und das ist unser Glück! Denn urplötzlich klingelt unser Tablet, das gerade eben erst die Vodafone-SIM verpasst bekam ?!?!?! Es ist der Vodafone-Shop in Zacharo, der mitteilen möchte, daß er jetzt dann gleich schließt (und erst am Montag wieder öffnet) und fragt, ob wir es denn noch schaffen, den Führerschein abzuholen, den wir dort haben liegen lassen. Zefix! Also wenden und mit Affenzahn zurück. Die Verkäuferin hat auch tatsächlich auf uns gewartet - Glück gehabt und vielen Dank für diesen Service!!!! Aber nun ist Planänderung angesagt. Wir geben Kalamata als Tagesziel auf und biegen bei Eléa schon Richtung Strand ab. Dort in einem Kiefernwäldchen hinter der Düne stehen sie alle! Von oben vermutlich nicht zu sehen, aber bei genauerem Hinschauen überall unter den Bäumen verteilt wie Läuse im Pelz. Womos und Großreisemobile …. Der Strand ist auch hier relativ sauber. Immer wieder einmal sind Schildchen im Sand vor kleinen Kuhlen platziert, auf denen darum gebeten wird, die Nester der Meeresschildkröten bitte nicht zu stören. Aber auf keinen Fall! Wir könnten sogar warten und zusehen, wie sie schlüpfen …  Na gut, ein anderes Mal vielleicht, wir ziehen weiter, wir haben schließlich noch so interessante Orte wie Sparta, Mystras und überhaupt alle "Finger" des Peloponnes zu erkunden.

Ablagen in Patras um Mitternacht


Die letzten Reisetage


In Náuplia angekommen, parken wir uns zuerst einmal im Hafen ab, um gleich etwas Stadtleben genießen zu können. Es ist Sonntag und alle griechischen Familien sind auf den Beinen - die Stadt ist eindeutig auch für Einheimische ein sehr beliebtes Ausflugsziel. Sie hat immerhin drei Festungen zu bieten und eine Fülle lauschiger Altstadtgäßchen. Wir schlendern ein wenig am Hafen entlang, trinken einen Frappé und folgen einfach den Leute auf ihren Spazierwegen entlang der felsigen Küste unterhalb von Stadt und Festung. Wir marschieren an hohen Hängen entlang, die über und über mit Kakteen bewachsen sind, unter uns im glasklaren Wasser sieht man vereinzelt ein paar Schwimmer. Zwei Kreuzfahrtschiffe liegen draußen vor dem Hafen und die Passagiere werden mit Booten an Land und wieder zurück gebracht - ein geschäftiges Hin und Her. Wir gehen auf Einkaufstour: mediterrane Spezialitäten und frischer Fisch, versteht sich. Rein zufällig kommen wir irgendwann sogar am bayerischen Löwen vorbei, den König Ludwig I. hier einst zum Andenken an Soldaten und die Opfer einer Epidemie in den Fels hat meißeln lassen. Die Bayern haben hier besonders viele Spuren hinterlassen - wen wundert da die Werbung für Oktoberfestbier an peloponnesischen Supermärkten?!   


Unser Stellplatz für zwei Nächte ist ein Strand hinter der Stadt, der offensichtlich kein Geheimtip ist. Eine lange Kette von Fahrzeugen zieht sich entlang des Ufers. Aber es herrscht keine Enge, kein gesteigerter Lärmpegel, man bleibt gerne für sich. Nur allerhand Mücken und Fliegen machen uns das Leben schwer, aber wir genießen noch einmal einen herrlich sommerlichen Grillabend mit Maria und Reinhold, bevor es dann endgültig heißt Abschied zu nehmen, unsere Wege trennen sich hier wirklich. Wir ziehen weiter Richtung Korinth und landen kurz hinter Loutráki zeilsicher auf dem einzigen Strandplatz weit und breit. Aber der ist völlig in Ordnung für uns. Die Häuser in der Nähe stehen verlassen, da für Griechen die Badesaison quasi schon zu Ende ist. In der menschenleeren Strandbar nebenan wird zwar am Abend die Musi urplötzlich nochmal voll aufgedreht, aber offenbar nur, um sich eine Stunde Aufräumarbeit zu versüßen. Dann sind wir allein mit Sonnenuntergang und leichtem Wellenrauschen. Natürlich hatten wir uns auf der Fahrt hierher den Kanal von Korinth angesehen, die Brücken bewundert, also auch die ins Wasser absenkbare. Überfahren war nicht drin, sie ist nur für maximal 3 Tonnen ausgelegt. Wir bleiben auch hier zwei Nächte, hexen einen Tag lang durch's Land, schauen uns das Hera-Heiligtum am Kap Iréon und vor allem auch die Bucht von Vouliagméni an, die bis vor gut 100 Jahren noch ein See war.

 

Am nächsten Tag müssen wir dann aber nun doch nach Patras und den Heimweg antreten. Wir trödeln uns über die alte Landstraße voran, meiden zuerst die Autobahn. Mittags halten wir ungefähr auf halber Strecke direkt am Wasser auf einem Tavernenparkplatz. Wir können hier noch einmal für 2 Stunden Sonne und Meer genießen. Und dann packt es uns: komm, wir bleiben noch, wir buchen die Fähre um. Und auf geht's in den Hafen im Schweinsgalopp, denn nun wollen wir's wissen: können wir bleiben oder nicht? Also rauf auf die Autobahn, aber die ist derzeit ein einziges Flickwerk (und deshalb temporär kostenlos). Die meiste Zeit einspurig, was die Griechen nicht so wirklich beeindruckt. Die Fahrerei ist fast anstrengender als auf der Landstraße und bei haarigen Ortsdurchfahrten. Man muß auch hier stehst mit allem rechnen - allerdings bei wesentlich höherer Geschwindigkeit.


Es klappt nicht, alle Fähren ausgebucht, wir müssen heute mit. Abfahrt ist erst um Mitternacht geplant und so haben wir noch jede Menge Zeit bis zum Verladen, stehen in der Nähe des Hafens noch etwas in der Landschaft herum, schauen der Sonnen beim Untergehen zu, Essen in Ruhe und stellen uns dann in die Schlange vor dem Hafentor. Wir können immer mal wieder junge Männer, fast noch Kinder beobachten, die zwischen den Lastwagen herumsuchen und vermuten schon, daß es sich wohl um Flüchtlinge handeln wird, die eine "Mitfahrgelegenheit" suchen. Das bestätigt sich dann, als das Hafentor endlich geöffnet und jedes Fahrzeug von den Grenzkontrolleuren penibel gecheckt wird. Auch uns schaut man unten drunter, steigt aufs Dach, lässt sich jede Ladeluke außen, im Fahrerhaus, in der Wohnung öffnen … sie sind gründlich und wir etwas schweigsam hinterher. Wir machen uns Gedanken um die Jungs, die wir sahen. Was machen sie, wenn sie es wirklich bis Italien schaffen sollten? Wo kommen sie überhaupt her? Haben sie Schleppern schon ein Vermögen bezahlt, um es bis nach Griechenland zu schaffen? Haben sie überhaupt noch etwas oder gar nichts mehr zu verlieren? Was hat ihnen das Internet und wer weiß wer versprochen, daß sie solch Risiko eingehen? Wenn sie wüßten … Aber sie sehen auch uns und was vermitteln wir für ein Bild? Wir mit unserem Riesenauto plus Moped im Gepäck, die Womo-Fahrer mit all ihrem Komfort an Bord, mit scheinbar endlos Zeit, ohne lästige Pflichten und mit Sonnenbräune im Gesicht …


Unser Fazit zur Fortbewegung auf eigene Faust und mit eigenem Fahrzeug auf dem Peloponnes


Man kann diesen Landstrich sehr geschmeidig bereisen. Die Ausschilderung größerer Orte oder touristisch bedeutender Ziele erfolgt ganz überwiegend sowohl in griechischen wie auch lateinischen Buchstaben. Aber auch falls nicht, kommt man mit dem, was aus Russisch- und / oder Matheunterricht noch hängen geblieben ist, gut durch. Als Autofahrer sind die Griechen ganz gegen ihre Art eher unorthodox unterwegs und man ist deshalb gut beraten, für die Einheimischen mitzudenken. So manches Mal hatten wir den Eindruck, daß den meisten schlicht die Vorstellungskraft fehlt für die Konsequenzen haariger Verkehrssituationen. Um es kurz zu machen: sie halten generell voll drauf. Auf einspuriger Straße wird nicht selten spontan eine weitere Spur eröffnet. Überholt wird augenblicklich, sobald ein langsameres Auto vor einem auftaucht - die Verkehrslage auf der Gegenspur ist dabei unerheblich. Der Grieche parkt auch mit Vorliebe kurzentschlossen und ohne Vorwarnung an Ort und Stelle. Und vor allem auf Hauptverkehrsstraßen häufig in zweiter Reihe - gerne auch, wenn in der ersten keiner steht. Also: Augen auf!

Aber was uns wirklich das Angenehmste war: überall waren wir willkommen, manch einer fuhr extra sein Auto aus dem Weg, damit wir genug Platz zum "Einruckeln" hatten. Und daß wir mit unseren gut 10t Lebendgewicht unerwartet auftauchten und dann auch noch in direkter Nachbarschaft übernachteten, war niemandem lästig. Das ist in mitteleuropäischen Breiten kaum mehr zu erleben!

Die Versorgungsmöglichkeiten für Individualreisende sind unkompliziert verfügbar. Nahezu in jedem Hafen gibt es eine Trinkwasserleitung mit ausreichend Druck für zügiges Betanken. Der Dieselpreis war aktuell erfreulich niedrig und bewegte sich zwischen 1.28 und 1.38 EUR. Überall gibt es frisches Gemüse und Obst am Straßenrand. Ab und zu findet man einen Lidl und dort das beste, frisch gebackene deutsche Mischbrot in Südeuropa :o)


Und was machen wir nun mit der restlichen Zeit? Italienität genießen!


Das heißt zuerst noch einmal Venedig anschauen - am besten in den ganz späten Abend- oder frühen Morgenstunden. Ansonsten kann man sich vor Touristen nicht retten (die wir ja selber auch sind, und trotzdem!) Zwischen 7 und 8 Uhr in der Früh hört man sie ganz kurz, die italienische Sprache. Den Rest des Tages dominieren im Stimmengewirr Englisch oder Deutsch.


Für zwei Tage zieht es uns dann ins Po-Delta. Wir finden am Ende einer Halbinsel einen schönen Platz direkt im kleinen Hafen von Caleri. Die Gegend ist großflächig als Naturpark deklariert, es gibt einen offenen botanischen Garten, einen ganz weitläufigen breiten Sandstrand, aber auch Feriendörfer in gigantischen Ausmaßen. Da die Feriensaison aber Ende September wohl generell endet, herrscht hier schon Verschlafenheit, nur ein paar (italienische) Womos stehen auf den Parkplätzen verstreut herum.  Wir hexen durch die sonnendurchflutete Landschaft. Die Lagunen und Dünen sind wundervoll anzuschauen und bevölkert von zahlreichen Vogeltieren. So lauschig Caleri bei Sonnenuntergang ist, so geschäftig ist es lange vor Sonnenaufgang. Sehr, sehr früh beginnt der Arbeitstag im Fischereibetrieb bzw. hier eher "Muschlerei", denn in der Mehrzahl verdienen die Männer hier ihren Unterhalt mit Muscheln. Mehrere kleine Kühllaster standen schon bereit, als gegen 10 Uhr die ersten Boote wieder zurückkommen.


Langsam schlägt das Wetter um, das Sonnenglück verlässt uns, es wird deutlich kühler. Aber nix da, rauf auf die Hex, die Landschaft ist einfach so malerisch! Und die Einheimischen so gastlich! Die Verschlafenheit außerhalb der Saison macht es uns etwas schwer, ein geeignetes Lokal zur Mittagszeit zu finden. Und so halten wir irgendwann im Nirgendwo an einer Art Bauernhof, der laut Schild vor dem Tor (theoretisch) auch zum Essen einlädt. Aber: auch er war eigentlich schon im Winterschlaf, die Hausherrin aber gerade da und sie zauberte uns mal eben Spaghetti mit Tomatensoße, stellte uns je ein Glas Rotwein auf den Tisch, dazu Brot und Schinken … ein paar Tische neben uns aß gleichzeitig die Familie … das war mehr als nur nett und in Deutschland umgekehrt schwer vorstellbar.


Tja und à propos Genuß: unser letztes Reiseziel ist dann Bassano del Grappa. Wie der Name vermuten lässt, gibt es hier mehr als nur eine Destillerie. Wir übernachten mitten im Städtle auf einem großen Parkplatz, genießen die Abendstunden inmitten der anderen Genießer und freuen uns, so wundervolle Tage im Süden gehabt zu haben. Das machen wir mal wieder!

Straße in Náuplia